Lebst Du schon, oder nimmst Du noch ab?

Heidi Klum sagte einmal sehr schön, dass das Halten des Wunschgewichts, eine Sache der „richtigen Einstellung“ sei. Heißt das, man hat eine solche richtige Einstellung, oder eben nicht?

Prinzipiell ist diese These auch richtig! Aber: Wie gelangt man denn zu solch einer richtigen Einstellung?

Die meisten Menschen wissen, was sie essen oder nicht essen sollten. Die meisten Menschen wissen auch, wie viel sie von etwas essen sollten. Wenn sich jemand anders als „richtig“ verhält, scheint es also nicht übermäßig an fehlendem Fachwissen zu liegen. Trotzdem ist obige These genauso so richtig wie sinnlos, denn alles ist doch irgendwie eine Sache des Kopfes.

Beim leidigen Thema des Abnehmens spielen vor allem auch Gewohnheitsmuster eine wesentliche Rolle. Wie sagte ein Freund von mir so schön: „Gewohnheiten bedürfen Gewöhnung!“

Wir alle haben Vorannahmen über die Natur der Dinge. Über unser Verhältnis zu Anderen und auch über uns selbst. Glauben Sie, dass das Abnehmen eine schwierige Sache ist? Glauben Sie, selbst wenn Sie abnehmen, werden Sie zwangsläufig auch wieder zunehmen? Diese „Glaubenshaltungen“ und Vorannahmen darüber, wie die Dinge grundsätzlich „sein sollten“, beeinflussen den Umgang mit solchen Themen maßgeblich.

Wie aber ändert man „Einstellungen“, Gewohnheiten und Erwartungshaltungen“?

Irgendwie sind dies doch die wesentlichen Fragen der Psychologie. Ich werde Ihnen im folgenden Beitrag diese Fragen nicht beantworten können, aber vielleicht bekommen Sie die eine oder andere Idee, wie Sie für sich selbst neue Wege im Umgang mit diesem interessanten Thema finden.

Bewusst und unbewusst

Wir unterscheiden unsere Wahrnehmungen, Taten und Handlungen häufig in Kategorien von bewusst und unbewusst. Von bewusst sprechen wir, wenn wir uns konkrete Ziele setzen, einen Plan für deren Erreichung entwickeln und diesen in die Tat umsetzen. Wir benutzen Formulierungen wie, „ich bin mir dieses oder jenes bewusst“. Von unbewusst sprechen wir eher passiv über diejenigen Angelegenheiten, welche uns irgendwie passieren. So fühlen wir uns vor allem bei unangenehmen Gefühlen ebendiesen ausgeliefert. Dies ist ein nicht unproblematisches Denkmodell. Wir letztere Erlebensweisen häufig negativ. Sie sind es doch, die wir für das Nichterreichen unserer Ziele verantwortlich machen.

„Ich musste einfach naschen! Ich konnte nicht anders! Ich hatte es mir diesmal so sehr vorgenommen, aber …!“

Die letzten 5 Jahrzehnte verschiedenster Forschungsbereiche haben jedoch mehr als eindeutig belegt, dass unser sogenanntes Unbewusstes stets das Beste für uns als Gesamtpersönlichkeit zu erreichen versucht. Abwehr von zu großen belastenden Gefühlen, intuitives Handeln und vor allem eine Schnelligkeit, zu der unser sogenanntes Bewusstsein nicht ansatzweise fähig ist.

Überlegen Sie einmal Folgendes:

Der Akt des Sprechens ist unglaublich komplex. Man muss eine schier unendliche Anzahl von Regeln (Grammatik) einhalten. Man muss über einen großen Wortschatz verfügen. Dennoch haben Sie keinerlei Schwierigkeiten komplexe Zusammenhänge in Worte zu fassen, ohne sich bewusst allzu sehr anstrengen zu müssen. Sie reden einfach. Mehr noch, Sie erlernten diese komplexe Sprache, ohne dafür eine andere Sprache zur Verfügung zu haben. Das alles können Sie ganz unbewusst tun und das ist gut so.

„Der Mensch ist kein Wägelchen“

Viele Menschen erhoffen sich bei persönlichen Problemen eine Hilfe in der Form, dass wie bei einer Maschine, nur die richtigen Hebel, Schrauben und Knöpfe betätigt werden müssen. „Mit mir ist was nicht in Ordnung! Schließlich wäre ich ja sonst genauso schlank, wie ich es will!“ Irgendwie ist dieser Gedanke ja auch verlockend. Ein bisschen Coaching, Hypnose, Therapie, Medikamente – und mein „Unbewusstes“ macht wieder was ich will. Dann wird alles gut und vor allem einfach. Auf der anderen Seite ist dies jedoch auch deprimierend. Wer will denn eine Maschine sein, die man nur umprogrammieren muss, damit sie richtig funktioniert.

Beim Thema des Abnehmens geht es noch mehr um die Beziehung zu sich selbst, als bei so manch anderem Themen. Ohne ein bisschen Persönlichkeitsentwicklung und Selbsterfahrung, werden wir solche Ziele nicht so ohne weiteres umsetzen können. Unser sogenanntes Unbewusstes ist ein komplexer Schutz- und Überlebensmechanismus, der nicht einfach ausgetrickst und überlistet werden sollte.

Der innere Schweinehund

Fast jeder kennt die Metapher des inneren Schweinehundes. „Ich würde ja so gerne viel disziplinierter sein, wenn da nicht schon wieder dieser innere Schweinehund wäre.“ Wir haben es dabei mit einer negativen Bewertung zu tun und meinen damit dieses leidige Unbewusste. Gefährlich bei dieser Metapher ist, dass diese einen Kampf impliziert. Einen Kampf gegen eben diesen Schweinehund, gegen das eigene Unbewusste. Aber was ist denn dieses Unbewusste?

Es ist ein Teil von Ihnen! Damit beschreibt diese Metapher den Kampf gegen Sie selber. Da gibt es einen Teil in Ihnen, den Sie überwinden müssen. Solche Metaphern von „Persönlichkeitsanteilen“ sind gar nicht so falsch in der Arbeit mit sich selbst. Stellen Sie sich einmal Folgendes vor:

Alle diese unterschiedlichen Teile in Ihnen, oder auch Seiten von Ihnen, arbeiten wie ein großes Team zu Ihrem Wohle zusammen. Ein nicht ganz unwichtiger Teil ist das, was wir gemeinhin als Bewusstes verstehen. Eines dieser Teammitglieder arbeitet nicht so, wie es sich das Bewusste wünscht. Da es sich dabei um einen unbewusst agierenden Teil handelt, ist dieser viel schneller in seinen Reaktionen, als der bewusste Teil. Nennen wir diesen unbewussten Teil experimentierfreudig „Schweinehund“; vielleicht finden Sie in sich auch solche Teile und haben sogar andere Namen dafür. Wie könnten Sie dafür sorgen, dass dieser Teil in Ihrem Sinne „besser“ mitarbeitet? Funktioniert das, indem Sie dieses Teammitglied negativ bewerten? Indem Sie ihn abwerten? Indem Sie ihn ein „Schwein“ schelten? Mal angenommen, sie wären selber ein solches Teammitglied und Ihr Chef ist der Meinung, Sie sollten besser mitarbeiten und kooperieren: Werden Sie selber dadurch motiviert, indem Sie abgewertet werden? Bekommen Sie wieder Lust auf Zusammenarbeit, indem man Sie als „Schwein“ bezeichnet?

Vielleicht haben Sie (oder Teile Ihrer Persönlichkeit) gute Gründe für eine solche Nichtkooperation! Vielleicht wäre es für das ganze Team und die Erreichung der erwünschten Ziele wirklich sinnvoll, auf das Wissen und die Weisheit aller Teammitglieder zurückzugreifen.

Lieber Leser/Leserin dieses Artikels zum Thema Abnehmen: Haben Sie einen inneren Schweinehund, der Sie vom Abnehmen abhält? Dann geben Sie ihm erst einmal einen (anderen) Namen. Nennen Sie „ihn“ oder „sie“ doch einfach Karl, Beate oder Wilhelm. Alle Namen sind besser als „Schwein“. Akzeptieren Sie, dass dieser Teil

(a) ein Teil von Ihnen ist – also auch sie selber sind,

(b) dieser Teil wichtige Bedenken gegen Ihr Ziel hat, bzw. gegen den Weg, den Sie zur Zielerreichung ansteuern, und

(c) wichtige Informationen zur Erreichung Ihres Zieles beisteuern kann.

Die Rolle der Selbstabwertung

Aber nicht genug, dass Sie einen Teil von sich und damit sich selber abwerten. Wir Menschen gehen seltsamerweise oft noch einen Schritt weiter. Schaffen wir es nicht langfristig und konsequent unsere Ziele zu erreichen, werten wir uns als ganze Person ab. „Du Versager! Du hast wieder nicht durchgehalten. Du bist doch so doof (inkonsequent, undiszipliniert)! Du lernst einfach nicht! Die einfachsten Sachen schaffst du nicht!“ Wir machen uns dafür fertig, dass wir etwas nicht schaffen. Meist läuft dies innerhalb dieses Hintergrundgebrabbels in unserem Kopf ab, was manche auch als „Inneren Dialog“ bezeichnen. Fritz Perls, ein bekannter Psychotherapeut, nannte dies „Mind Fucking“.

Jetzt mal ganz ehrlich. So ganz unter uns. Gibt es irgendeinen Menschen, der sich von solch einer negativen Art zu irgendetwas motivieren lässt? Die Kollegen aus der psychologischen Schule der Lerntheorie behaupten, dass es nur zwei Arten gibt, sich zu motivieren und zu lernen:

(a) positive Gefühle erleben wollen und

(b) unangenehme Gefühle vermeiden.

Aber wie kommen wir nur darauf so negativ mit uns selbst umzugehen? Wir haben dies gelernt! Von für uns wichtigen Personen: Eltern, Verwandte, Freunde, Vorbilder. Das ist jedoch kein Grund, diesen bedeutsamen Einflusslern irgendeine Form von Schuld zu geben. Diese wussten es wahrscheinlich auch nicht besser und handelten oft nach bestem Wissen und Gewissen. Nicht immer haben wir solches im Sinne einer Nachahmung gelernt, sondern (manchmal durch Zufall) als eine Reaktion unsererseits, die zu einem gewünschten emotionalen Ergebnis führte.

Stellen Sie sich doch einmal ein kleines Kind vor, dass etwas falsch gemacht hat. In dem Moment, indem ein Elternteil gerade mit der Schelte beginnen möchte, agiert dieses Kind wegen des eigenen Fehlverhaltens mit selbstabwertendem Verhalten. Der Elternteil beginnt nun mit einem tröstenden, beschwichtigenden Verhalten, weil es sich denkt, „der arme Kleine bestraft sich doch viel zu streng“. Damit sind negative Gefühle, resultierend aus der Erwartung einer Bestrafung durch die Eltern, umgangen. Dies war von diesem Kind nicht bewusst so entschieden:

Ausprobiert – Gewinn erzielt – abgespeichert. Unbewusste Gewohnheit wird dann bei mehrmaliger Wiederholung garantiert. Wenn das was du tust funktioniert, mache weiter damit. Heute sagt man neudeutsch: „Never change a wining Team!

Die Rolle der eigenen persönlichen Geschichte

Persönlichkeitsanteile sind also nicht einfach nur durch Zufall entstanden. Ihre Entstehung war aufgrund der Erfahrungen in unserer persönlichen Geschichte notwendig. Irgendwann gab es Situationen in unserem Leben, in denen es überlebenswichtig war, einen bestimmten Persönlichkeitsanteil mit spezifischen Fähigkeiten zu entwickeln. Die moderne Hirnforschung bestätigt dies. Unser sogenanntes Bewusstsein scheint der Teil des Netzwerkes in unserem Kopf zu sein, welcher am meisten Energie in Form von Sauerstoff und Glukose benötigt. Unser Hirn ist stets bestrebt möglichst viele Verhaltensweisen zu automatisieren – und dass passiert, indem Verhalten unbewusst ausgeübt werden kann. Solch unbewusstes Wissen kann sich schnell, elegant und mit minimalem Energieverbrauch auswirken. Überlegen Sie doch, wie unbewusst Ihr Körper beim Autofahren Arme und Beine koordiniert. Sie sind in der Lage komplexe Gespräche beim Autofahren zu führen. Sobald etwas Ungewöhnliches auf der Straße passiert, holt Ihr Gehirn sofort und unmittelbar Ihre bewusste Aufmerksamkeit dorthin zurück, wo diese gebraucht wird.

Manchmal, wenn das Abnehmen einfach nicht gelingen will, kann es sinnvoll sein, die eigene persönliche Geschichte zu reflektieren. Warum habe ich bestimmte Gewohnheiten entwickelt? Wozu war es damals gut, eine bestimmte Gewohnheit zur Verfügung zu haben?

Stellen Sie sich einmal vor Sie würden entdecken, dass der Teil von Ihnen, von dem Sie annehmen, er würde Ihre „Abnehmziele“ boykottieren, in Wirklichkeit eine ganz wichtige Schutzfunktion ausübt. Da gibt es einen Teil in Ihnen, der in der Lage ist Ziele, die Sie unbedingt erreichen wollen, mit einem Fingerschnippen zu verhindern. Hätten Sie eine so große Kraft nicht gerne auf Ihrer Seite, in Ihrem Team? Dies ist ein Teil von Ihnen und der besitzt großen Einfluss! Das heißt aber auch, dass Sie es sind, die/der über solche Kraft verfügt. Ist das nicht toll?

Bilder

Gerald Hüther, ein bekannter Neurobiologe, betont stets, dass die Sprache des Unbewussten eine Bildersprache ist. Bilder sind es, die uns abschrecken oder uns beflügeln. Bei dem Einen finden diese Bilder kaum Eingang in dessen Bewusstsein, beim Anderen verdecken diese Bilder fast schon den Blick auf die Wirklichkeit. Alfred Schütz, ein Soziologe, schrieb einmal, dass „ein Zeichen etwas ist, das für etwas anderes steht“. Ein Bild ist sogar noch etwas viel Vielschichtigeres: Ein Bild ist eine Metapher, die für ganz andere, überaus komplexe Zusammenhänge stehen kann. Über Metaphern und Bilder, z.B. in Märchen, lernten wir komplexe Verhältnisse von „Gut und Böse“; von, „dass darf ich tun, und jenes nicht“. Metaphern können uns komplizierte Zusammenhänge, auf eine einfache Art und Weise erklären.

Einen Ball, den ich an einer Schnur wirbeln lasse, kann mir als Metapher das Prinzip der Gravitation erklären. Dieses Bild hat nur wenig mit der tatsächlichen Natur der Gravitation gemein, zumindest wenn man Einstein folgt, aber es ist trotzdem eine zieldienliche Metapher, die mich ein physikalisches Grundprinzip verstehen lässt. Und genau darin liegt der Nutzen von Metaphern und Bildern. Eine Gefahr besteht immer dann, wenn ich eine Metapher nicht als Erklärungsprinzip begreife, sondern diese mit der Realität verwechsele. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir als Kinder mehr über Metaphern, Bilder und Geschichten erlernten, als über Vorbilder und Lehrer.

Metaphern für Essen und Abnehmen

Im Zusammenhang mit Essen und Abnehmen wollen wir uns einmal exemplarisch die ein oder andere Metapher anschauen. Schauen Sie einmal, was Sie mit den folgenden Sätzen anfangen können:

„Das was mir da passiert ist, muss ich erst mal verdauen.“

„Ich fresse alles in mich hinein!“
„Wenn ich das sehe, könnte ich kotzen!“
„Ich habe einen Schutzwall (Mauer) um mich herum aufgebaut!“
„Im Sommer spende ich Schatten und im Winter Wärme (für die Familie?)!“

„Wer vermeintlich hässlich ist, läuft nicht Gefahr, den Partner eifersüchtig zu machen!“

„Er ist eine gewichtige Persönlichkeit!“

Solche Bilder und Metaphern können reflektiert werden. Sie repräsentieren komplexe Mechanismen des eigenen Gehirns. Sie sind entstanden, weil es Zeiten gab, in denen sie hilfreich und zieldienlich waren und es ist angemessen zu überprüfen,

(a) ob sie immer noch zieldienlich sind und wenn nicht, verändert werden dürfen, oder

(b) ob diese inneren Teile, die für diese Metaphern zuständig sind, neue Wege lernen können, ihre positiven Absichten auf andere Arten zu bewerkstelligen.

Strategien des Mentaltrainings und die Submodalitäten als Sprache des Gehirns

Diese Bilder kann man beeinflussen! Man kann mit den Eigenschaften dieser Bilder spielen. Man kann Sie heller oder dunkler machen, größer oder kleiner, nah heran holen oder weit weg schieben. Wenn man das vor seinem geistigen Auge macht, hat dies Einfluss auf die Gefühle, die mit solchen Bildern verknüpft sind. Unser Gehirn ist bestrebt, solche Bilder Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn diese Bilder negativer Natur sind, wird eben dies Wirklichkeit.

Deshalb: Schaffen Sie sich positive Bilder von dem, was und wie Sie sein wollen, von dem was Sie werden wollen. Wie werden Sie aussehen, wenn Sie ihr Wunschgewicht erreicht haben? Wie werden Sie sich dabei fühlen? Was sagt dies über Sie als Person aus, wenn Sie dieses Ziel erreicht haben? Wie werden Andere über Sie denken? Was wird Ihr Mann oder Ihre Frau dazu sagen? Geben Sie Ihrem Gehirn ein konkretes und genaues Zielbild von dem, wo es Sie hin führen soll! Dann weiß Ihr Gehirn, was es machen muss, damit Sie dieses Ziel erreichen.

Der Körper als Kooperationspartner

Betrachten Sie Ihr Gehirn und Ihren Körper als Kooperationspartner. Teamarbeit ist nötig, um Ziele effektiv umzusetzen. Ein zerstrittenes Team ist ineffektiv! Immer wenn Sie ein Ziel nicht erreichen, haben Sie die Gelegenheit etwas zu lernen. D.h. es gibt etwas, das bei einer Zielerreichung kontraproduktiv wäre.

Da gibt es den uralten Witz vom Mann, der bei einem Psychologen lernte, das Rauchen aufzugeben. In der Folgesitzung sagte dieser zu seinem Therapeuten: „Danke, dass sie mir geholfen haben das Rauchen aufzugeben! Übrigens, machen Sie auch Familientherapie?“

Ein ehemals übergewichtiger Mensch, der sich allen gegenüber arrogant verhält, die es noch nicht geschafft haben abzunehmen, macht sich keine Freunde! Wir Menschen sind Herdentiere. Soziale Bindungen haben oberste Priorität für uns. Ihr Gehirn wird nicht zulassen, dass Sie Ihren sozialen Status wegen eines „Schlank-sein-Wollens“ aufs Spiel setzen.

Ein Mensch, der schon immer übergewichtig war, hat grundsätzlich sehr andere Erfahrungen gemacht, als ein Mensch, der immer einem sozialen Ideal entsprochen hat. Man ist möglicherweise auf Partys seltener zum Tanz aufgefordert worden.

Finden Sie solche Überlegungen belanglos? Vorsicht: manchmal müssen im Vorfeld neue Fähigkeiten berücksichtigt und gelernt werden, bevor der eigene Körper einem das Erreichen von Zielen gestattet.

Rückfälle als begrüßungswerte Ehrenrunden (Gunther Schmidt)

Kennen Sie die Geschichte von der Frau auf der Party? Diese Dame ist auf einer Party und hat über Stunden unendlich viel Spaß. Sich unterhalten, tanzen, Spaß haben… . Zu später Stunde verschüttet jemand ausversehen Rotwein auf ihr weißes Kleid. Diese Frau ist daraufhin so erbost, dass für sie der ganze Abend dahin ist. 3 Stunden Spaß, und ein Rotweinfleck hat alles (im Nachhinein) verändert?

Was ist, wenn Sie über Wochen stetig abgenommen haben, und dann wieder zunehmen? Gemeinhin bekannt als Jo-Jo-Effekt. Ist das nicht ein schreckliches Wort? Vor diesem Phänomen haben unglaublich viele Menschen Angst. Manch einer hat sogar so große Angst davor, dass er erst gar nicht versucht abzunehmen. Aber vielleicht ist ein solches erneutes Zunehmen nur ein Indiz dafür, dass noch etwas Bestimmtes nicht berücksichtigt wurde.

„Sir? Wir haben unser Ziel wider Erwarten doch noch nicht erreicht. Wir hatten vergessen „XYZ“ zu bedenken.“

„Danke für diese Rückmeldung! Wir werden einen neuen Plan schmieden und diesmal „XYZ“ miteinbeziehen.“

Wir sprechen hier zwar von ein und demselben Sachverhalt, aber von grundsätzlich anderen Reaktionsweisen. Und da Worte wie Magie sein können, wie wäre es stattdessen,

„eine Ehrenrunde zu drehen“?
Eine Übungsstunde zu wiederholen?
„Hallo Rückfall. Schön dass Du wieder da bist. Wir können also etwas optimieren?“

Kannst du dich gut leiden? Über die ethische Verpflichtung, es Dir selbst gut gehen zu lassen.

Machen wir uns doch nichts vor:

Wann haben Sie in Ihrem Leben, die für Sie beste Leistung erbracht?

Wann hatten Sie zuletzt das Gefühl, für andere hilfreich zu sein?

Wann hatten Sie das letzte Mal das Gefühl, dass Ihnen alles wie von selbst „von der Hand gegangen ist“?

Immer dann, wenn es Ihnen extrem gut ging, oder!

Wenn es Ihnen super gut geht, dann erreichen Sie Ziele! Wenn es Ihnen extrem gut geht, sind sie effektiv und hilfreich für andere und auch für Ihre Familie! In solchen Situationen haben Sie das, was Psychologen einen „Flow“ nennen. Dann flieكt alles nur so aus Ihnen heraus. Dann geht alles wie von alleine.

Irrtümlicherweise glauben die meisten Menschen, dass erst alles andere gut sein muss, bevor Sie sich so fühlen dürfen. Es ist genau anders herum! Und dies gilt auch für Ziele, wie das Abnehmen! Daraus folgt: Sie haben die ethische Verpflichtung, erst für sich selber zu sorgen und es Ihnen selbst gut gehen zu lassen, bevor Sie gut und hilfreich für andere sein können und möglicherweise auch, bevor Ihr Körper diesem guten Gefühl mit dem dazu passenden Gewicht folgt (Gunther Schmidt)! Lernen Sie, sich selber als

gut
wichtig
schön
attraktiv
richtig
und mit sich selber im Reinen

anzunehmen, und Ihre Ziele werden sich fast wie von selbst umsetzen. Abnehmen ist leichter, wenn Sie denjenigen, der abnehmen soll, prinzipiell mögen, wertschätzen und gern haben. Nehmen Sie nicht ab, damit andere sie gern haben. Das haben Sie nicht nötig. Und das schreibe ich, ohne Sie persönlich zu kennen. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Heidi Klum eine hässliche Stimme hat? Sie ist im Fernsehen nicht wegen, sondern trotz dieser hässlichen Stimme!

Ein Beispiel

Ich habe einmal eine Frau gecoached, die abnehmen wollte. Während unserer einzigen Sitzung entwickelte sich ein Dialog zwischen ihr als dicker Frau, mit sich selber als schlanke Frau. Die schlanke Frau ging sehr arrogant und abwertend mit der dicken Frau um. Meine Klientin, die immer wieder aus einer Metaposition (quasi von oben) hinunter auf den Dialog dieser „beiden Frauen“ schaute, bekam plötzlich Mitgefühl für die dicke Frau. Entdeckte Seiten an ihr, die sie vorher nicht bemerkt hatte. Ihre Stärke, ihre Wärme. Seiten, die sie auf keinen Fall aufgeben wollte. Diese Erkenntnis konnte sie an die schlanke Frau weitergeben. Dies führte zu einer Aussöhnung dieser beiden Teile von ihr. Durch die nachfolgende Zusammenarbeit in diesem „Team“ veränderten sich zwei Dinge gleichzeitig: (a) sie gab ihr extremes Bedürfnis nach „schlank-sein-wollen“ auf und (b) sie nahm in relativ kurzer Zeit ab, ohne sich viel darum kümmern zu müssen.

Ein letztes Wort zu Zielen:

Was ist eigentlich, wenn ein Ziel erreicht ist?

Also nochmals: Was ist, wenn ein Ziel erreicht ist? Was kommt dann? Ein Ziel, ohne ein (oder mehrere) Ziel(e) dahinter, wäre ein Ende!

Und wer will das? Finden Sie neben dem Abnehmenwollen noch viele weitere Ziele!

Manche nennen das Leben!

Wenn es nur ein wesentliches Ziel gäbe, wären Ihr Körper und Ihr Gehirn so schlau, Sie dieses Ziel niemals erreichen zu lassen. Denn die Hauptaufgabe unseres Gehirns ist es, zu überleben . . . .

Übrigens, der Autor dieses Artikels verfügt über ca. 15 10 Kilogramm Übergewicht(igen Einfluss)! Also hören Sie nicht auf ihn 😉

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