jOAN cOLLINS

Mulmig war ihm zumute, als Franz K. vor dem riesigen Gebäude stand. Auf halber Höhe dieses Hauses waren in roten Lettern die Buchstaben jOAN cOLLINS geschrieben. Hatte er doch vor kurzem erst den Brief erhalten mit dem er dorthin eingeladen wurde. Er ging sofort zum Aufzug, um in die 14te Etage zu fahren. Es roch muffig und seine Knie fühlten sich weich an. Er hatte sich fest vorgenommen, heute einmal den Mund auf zu machen. Immer wieder wurde von hier genötigt, an Dingen teilzunehmen, welche er gar nicht tun wollte.

Seine Zuständige rief ihn herein – jetzt war es soweit. „Setzen Sie sich Herr K., was kann ich für sie tun?“ Die Stimme hörte sich kühl, aber auch erschöpft an.

„Wissen Sie, ich sollte doch an dieser Sache da teilnehmen, aber ich möchte das gar nicht.“

„Das müssen sie aber. Schließlich stehen Sie uns zur Verfügung!“

„Also hören Sie mal: Sie haben mich zu dieser Sache zugewiesen. Sie können doch nicht einfach über meine eigene Zeit entscheiden. Schließlich bin ich doch Ihr Kunde. Behandelt man so seine Kunden?“

„Ach so ich verstehe. Da haben Sie doch auch irgendwie recht. Gut, dann müssen wir da was Ändern. Könnten Sie mir bitte nochmal Ihre Zuweisung geben?

Er gab ihr die Zuweisung und sie las sich diese durch. Dann konnte er sehen, wie sie einen Kugelschreiber nahm, um etwas in diese Zuweisung zu schreiben. Dann nahm sie einen großen Stempel, schlug diesen auf das Papier und unterschrieb es. Als sie fertig war, schien sie selbst mit ihrer Arbeit zufrieden. Sie gab ihm das Schreiben zurück.

„So Herr K. Ich denke, dass damit ihr Problem gelöst sein sollte.“

Er sah sich das Schreiben an. Sie hatte das Wort ZUWEISUNG durchgestrichen und gegen das Wort EINLADUNG ausgetauscht. Er sah sie fragend an.

„Ja Herr K., jetzt ist der Brief doch viel kundengerechter, oder?“

Er wusste nicht so recht was er jetzt tun sollte. „Heißt das, ich muss da jetzt nicht mehr hin? Kann ich diese Einladung jetzt ablehnen?“

„Aber selbstverständlich können Sie das. Deshalb habe ich es doch geändert. Selbstverständlich erhalten Sie dann kein Geld mehr von uns, aber Sie können es ablehnen. So, und jetzt muss ich Sie bitten zu gehen, es wollen ja noch andere Kunden bedient werden. Ich melde mich wieder bei Ihnen.“

Der letzte Satz klang noch wie eine Drohung in seinen Knochen, als er ging.

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