Das steht eindeutig in meinem Personalausweis. Nein, eigentlich steht das nicht darin. Da steht, dass meine Staatsangehörigkeit „deutsch“ ist. Also bin ich nicht zwangsläufig deutsch, aber gehöre auf jeden Fall dazu. Da wir als „Deutsche“ keine Identitätskarte haben, sondern einen Personalausweis, gehören wir quasi zum Personal der BRD (Pispers). Dann müsste ich doch eigentlich Geld dafür bekommen, oder? Wobei Pispers auch gerne bemerkt, dass man nachträglich kein Deutscher werden kann. So doof muss man schon geboren sein.

Mit den ganzen Diskussionen der aktuellen Themen, PEGIDA, Islamisierung, Migration, Asyl, überlege ich derzeit was das überhaupt (für mich) heißt, deutsch zu sein.

Selbstverständlich bin ich Deutscher. Ich bin hier geboren und aufgewachsen; deutsch ist meine sogenannte Muttersprache. Meine Eltern sind schon hier geboren. Meine Großeltern, glaube ich, auch. Deren Eltern wiederum kamen woanders her. Egal, das recherchiere ich mal.

Ich habe nie die Kriege um irgendwelche Territorien verstanden. Ich dachte mir immer, wem ein bestimmtes Stück Erde (zu)gehören mag, hängt davon ab, wie weit ich in der Geschichte zurückdenke, so oft hat sich das schon verändert.

Auch die deutsche Flagge hat mich ästhetisch nie angesprochen. Überhaupt gefallen mir die meisten Flaggen nicht. Die kanadische vielleicht, oder die jamaikanische – wobei? Ist das Gesicht von Bob Marley regulär auf letztgenannter?

Aber was bedeutet es ein Deutscher zu sein für mich persönlich? Spontan wäre meine erste Antwort: „Gar nix!“ Meine zweite Antwort wäre dann wohl: „Keine Ahnung!“ Ich habe mich nie in besonderer Weise „als Deutschen“ empfunden. Wenn ich im Ausland war, wurde mir oft bewusst, dass die Menschen dort schon irgendwie anders waren als ich. Das betrifft Einstellungen, Werte und kulturelle Verhaltensweisen. Aber auch dabei habe ich mich nicht speziell als deutsch gefühlt.

Jedoch war fast immer mein Eindruck, dass viele andere Nationen, deutlich stolzer auf ihre Nation sind und sich mehr mit ihrem Land identifizieren. Aber das betrifft ja nur mich persönlich. Im Fernsehen sehen wir zurzeit wieder mehr stolze „Deutsche“. Und dann bekomme ich das Gefühl, ein Stück weit mehr deutsch zu sein, weil ich mich unweigerlich an „unsere“ unrühmliche Vergangenheit erinnere. Also nicht falsch verstehen: das ist bei MIR so. Das ist ein mir bekanntes Gefühl, welches ich immer wieder mal habe, vor allem wenn ich im Urlaub bin.

Also habe ich ja doch so etwas, wie eine deutsche Identität.

Ich vergesse nie den Rückflug nach meiner ersten Thailandreise: Neben mir saß ein sehr stiller, chinesisch aussehenden Mann, so in den Zwanzigern. Erst als wir in der Luft waren und uns abschnallen durften, sprach er mich an. Er erzählte mir, dass er gerade aus seinem Heimatland (Taiwan) nach Frankreich flüchtete. Und er würde sich sehr dafür schämen. Ich war damals zu jung und konnte das alles nicht richtig einsortieren.

Aber bin ich nun ein Deutscher? Und was ist ein Deutscher? Mal abgesehen davon, dass ich mich am Ende dieses kleinen Beitrages dagegen aussprechen werde, die Kategorisierung überhaupt anzunehmen, hier Definitionsversuche:

Deutsch ist wer hier Steuern zahlt!

Finde ich lustig, weil dann ein paar sehr reiche Deutsche, gar keine Deutsche sind. Aber dann sind Beamte und arbeitslose Menschen auch keine Deutsche.

Deutsch ist, wer Deutsch spricht!

Dann fliegen allerdings ganze Bundesländer hier raus. Nein, war ein Witz. Dies ist wahrscheinlich die sinnvollste Definition, denn sie läßt zu, dass man mehrere Nationalitäten haben kann, wenn man mehrere Sprachen spricht. Vor allem aber ist Sprache Kultur, und spricht man gut deutsch, hat man auch einen Teil der Kultur automatisch inne.

Deutsch ist, wer die deutsche Staatsangehörigkeit hat!

Dies ist wohl für alle Beteiligten die einfachste Definition. Aber mal ehrlich: Letztens habe ich im Fernsehen gesehen, wie Migranten (ist das politisch korrekt?) den Treueschwur geleistet haben und dann die deutsche Nationalhymne gesungen. Mir ist es wirklich kalt den Rücken herunter gelaufen. Ich glaube, ich wäre nicht bereit dies zu tun. Muss ich ja aber auch nicht 😉 ich „bin“ ja schon „doof geboren“! Ich wünschte mir, alle Menschen müssten gezwungen werden einen Schwur auf humanistisch, ethische Werte zu leisten.

Generell erscheinen mir absolute Aussagen auf einer Identitätsebene gefährlich. Da man wohl gar nicht genau definieren kann, was was ist, pauschaliert man automatisch. Nicht jeder Moslem ist Islamist! Nicht jeder Deutsche ist Nazi! Eine bestimmte Kultur ist nicht genau so oder so! Vor allem ist nicht jeder Mensch so wie dessen landesspezifische Kultur.

Wir sind stets Viele; sowohl als Viele, als auch als Einzelne (lustige Satzkonstruktion). Und je nachdem wo wir gerade sind, sind wir auch anders, als woanders! (na?) Letztes Jahr auf Fuerteventura haben fast alle Nationalitäten die Liegestühle mit Handtüchern besetzt. Waren das Weltbürger, oder hat sich nur durchgesetzt, was früher einmal eher deutsch war?

Wirtschaftlich sprechen wir von einer Globalisierung, aber persönlich hat sich das noch nicht durchgesetzt. Als Weltbürger will ich mich auch nicht bezeichnen. (Zu abgedroschen.) Ohnehin scheint die Globalisierung nur für wirtschaftliche Interessen erwünscht zu sein. Wie wäre es mit einer kulturellen, oder sogar einer Globalisierung im Sinne der Menschenrechte? Utopist! Aber das ist ein anderes Thema.

Bin ich denn nun deutsch? Ich weiß es wirklich nicht und es bedeutet mir kaum etwas. Ich bin Thomas – der Ungläubige – der glaubt, ungläubig zu sein.

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