Der MdK

war zu Besuch bei einem meiner Klienten. Es fängt an, wie es immer anfängt: “Wir kommen zwischen 10:15 und 12:00 Uhr! Kann man ja auch verstehen. Die KollegenInnen haben nun mal viele Klienten zu besuchen. Der eine Termin dauert länger – der andere geht schneller. Verständlich, oder?

Nein, ich für meinen Teil, kann dies nicht wirklich akzeptieren! Warum? Auch ich und mein Klient haben Termine zu planen. Die KollegenInnen versuchen sich zu optimieren, aber eben auf Kosten meines Klienten und auch meiner Wenigkeit. Letztendlich wird hier wieder sie Struktur des “Du willst ja was von mir!” deutlich.

Die durchaus nette Dame legt ab, packt ihr Laptop aus, bekommt sogar noch einen Kaffee und beginnt… . Nun, wenn man schon ankündigt, dass man während des Sprechens zeitgleich sein Laptop bedienen muss, sollte man auf jeden Fall aber auch zwei Sachen gleichzeitig tun können. Muss man jedoch immer wieder mit der Aufmerksamkeit hin- und her wechseln, kostet das Zeit, aber vor allem Respekt gegenüber der Person(en), die einem gegenüber sitzen.

Auf jeden Fall sollte man die verschiedenen Kontexte kennen, in denen sich Menschen bewegen, die möglicherweise einen Anspruch auf Pflegeleistungen haben könnten: ambulant Betreutes Wohnen – oft durch den LVR Köln finanziert, gesetzliche Betreuung – meist über die Amtsgerichte finanziert, wer macht was?, wer ist für was zuständig und oder verantwortlich? – das alles würde helfen, zieldienliche Fragen zu stellen und sich nicht ständig wieder holen zu müssen.

Man sollte für solch ein Interview auch zieldienlich und wertschätzend kommunizieren können, oder wollen. Man sollte nicht nur die Ziele einer Pflegekasse im Kopf haben (die hauptsächlich möglichst wenig Geld ausgeben will); man sollte interessiert am Einzelfall sein; man sollte vielleicht überhaupt Interesse am Menschen und der eigenen Arbeit haben. Apropos Kommunikation und soziale Konventionen: Man sollte sich vorab vielleicht auch einfach mal vorstellen: So heiße ich! Dafür arbeite ich! Mein Beruf und meine Qualifikation ist! Das könnte den allgemeinen Umgang enorm erleichtern.

Man könnte möglicherweise auch berücksichtigen, wen ich da vor mir sitzen habe. In diesem Fall war es ein Mensch, der geschätzte 20 Jahre älter als die MdK Dame war, der in seinem Leben schon erhebliche Aufs und Abs erlebt hat, der wahrscheinlich noch nie an das Einkommen der Interviewerin herangekommen ist — der also höchstwahrscheinlich an ein deutliches Mehr an Lebenserfahrung verfügt. Nun, früher nannte man dies mal Respekt. Vielleicht gibt es das heute nicht mehr, oder heißt einfach anders.

Wenn man wirklich gute Ideen und Tipps für einen solchen Menschen hat, dann sollten diese wirklich aufgrund fundierter Erfahrung gründen: “Sie könnten sich ja mal regelmäßig bewegen!” – könnte dem ein oder anderen ein wenig oberflächlich erscheinen. Mehrfache Bandscheibenvorfälle, Störungen in den Nervenbahnen, erfolgreich bewältigte Alkoholsucht, Polyneuropathie – all dies sollte man kennen und berücksichtigen, bevor man (wahrscheinlich) gut gemeinte Tipps und Lebensweisheiten von sich gibt.

Ratschläge und Versprechungen, wie “Ich werde in meinem Gutachten einen Wannengriff empfehlen!”, oder “Ich werde in meinem Gutachten eine medizinische Rehabilitation empfehlen!” sollte man nur aussprechen, wenn man mir nicht zwei Stunden auf den Anrufbeantworter spricht, dass man das doch nicht tun kann, weil es hier wohl keinen Pflegegrad geben wird!!!! Das ist ganz wichtig!

Andere Grundlagen der menschlichen Kommunikation beinhalten unter anderem auch, dass, wenn man Fragen stellt, man anschliessend auch möglicherweise der Antwort lauschen sollte. Tut man dies nicht, läuft man Gefahr, dass man deutlich später eine andere Frage stellt, die zuvor schon mehrfach beantwortet wurde. Das ist leider schlimmer als peinlich, denn es unterstellt eine gewisse “Dummheit” bei meinem Klienten, von der ich weiss, dass sie nicht vorhanden ist.

Das letzte, was ich hier dazu zu äußern habe, ist wirklich gemein von mir, da der folgende Punkt profesionell keine Relevanz haben sollte, denn Geschmack ist nun mal Geschmack:

Aber ein hübsches gepflegtes Gesicht, ein netter Haarschnitt, eine rosa rüschen Bluse, ein nettes Strickjäckchen darüber …..

und darunter eine Jogginghose, weisse Tennissocken in Turnschuhen …

Egal, Geschmack ist nun mal Ansichtssache.

Ich habe fertig!