Spiegel-Online und Bert Hellinger

Heute erschien auf Spiegel Online ein Artikel über die Familienaufstellungen Bert Hellingers.

http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/familienaufstellung-psychologen-streiten-um-umstrittenes-verfahren-a-995917.html

Abgesehen davon, dass ich das Wirken Hellingers extrem skeptisch betrachte, ganz im Gegensatz zu den systemischen Aufstellungsarten ala von Kibed / Sparrer, offenbaren solche plakativen Artikel stets „lustige“ Vorannahmen der Autoren ebensolcher. Einige interessante Formulierungen möchte ich hier gerne aufgreifen:

Psychische Krankheiten können demnach mit gestörten Beziehungsmustern des Systems Familie einhergehen.

Diesen Satz finde ich vor allem deshalb interessant, weil ich bisher glaubte, dass dies allgemein akzeptierte Grundlage von fast allen gängigen psychotherapeutischen Modellen wäre. Im Grunde streiten sich die heutigen Psychotherapieforscher nicht mehr über das „ob“, sondern eher um das „wieviel“. Wieviel unserer Befindlichkeiten und Persönlichkeiten sind durch unsere Gene vorherbestimmt, und wieviel Anteil haben unsere Erfahrungen, die wohl zum allergrößten Teil durch unsere Familienstrukturen beeinflusst sind.

Ist die umstrittene Methode damit rehabilitiert? Nein. Über die Familienaufstellung als Psychotherapie sage die Studie gar nichts aus, kritisiert Heike Dierbach. „Das große Problem ist: sie untersucht nur Gesunde.“

Vor allem durch die systemischen Denkrichtungen ist wieder ein Diskurs über die Sinnhaftigkeit des Begriffs der Gesundheit aufgekommen. Wann ist jemand gesund und wann krank. Man kann es sich einfach machen, und dies ausschließlich am subjektiven Leiden eines Menschen fest machen. Man kann es sich noch einfacher machen, und defizit orientierte Begriffe grundweg ablehnen. Letzteres scheint sich eindeutig positiv auf den therapeutischen Prozess auszuwirken, vor allem wenn man Lösungsorientiertes Vorgehen als theoretische Grundlage voraussetzt. Auf jeden Fall ist es unmöglich, krank und gesund eindeutig voneinander abzugrenzen.

Wenn sie „das Ganze dann noch im ehrwürdigen Rahmen einer Universität verorten“, sagt Haas, „werden sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit positiv angetan sein.

Dieses Zitat ist nicht nur für die Aufstellungsarbeit relevant. Habe wir es mit sehr wissenschaftsgläubigen Menschen zu tun, werden diese alles eher positiv aufnehmen, was man im universitären Bereich verorten kann. Die meisten Esoteriker die ich kenne, nehmen alles positiv auf, was sie halt grad glauben wollen, egal ob universitär oder nicht.

 Auch die Heidelberger Forscher schließen nicht aus, dass die positiven Effekte auf eine entsprechende Erwartungshaltung zurückzuführen seien.

Auch hierbei dachte ich bisher, das Erwartungshaltung auf annähernd jegliche Lebensbereiche Einfluss hat, was einen solchen Satz leider schlimmer als wertlos macht.

Letzendlich scheint es immer bei ein und demselben Grundproblem zu bleiben. Das wissenschaftliche Ideal vom Zählen läßt sich nur bedingt auf die eher subjektiven Forschungszweige anlegen. Aber so ist das nun mal bei uns. Was ich nicht zählen kann, das gibt es auch nicht.

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