Kapitalismuskrise
Ach Du Kacke, jetzt wieder so ein linker Spinner, der sich die DDR zurückerhofft. Puh, das ist echt ermüdent. So bald bestimmte Worte fallen, ist man immer wieder mit denselben Vorurteilen konfrontiert. Und deshalb setze ich jetzt noch einen oben drauf:
Wir haben keine Umweltkrise, Kriegsprobleme, Datenschutzprobleme, soziale Probleme - wir haben eine Kapitalismuskrise! Jegliche Kritik am Kapitalismus wird in den Medien als sozialistisch bewertet, aber dient er noch dem Gemeinwohl? Und wer jetzt noch wirklich wissen will, warum ich dieser Meinung bis, kann ja
Allgemein würde ich mich doch "dem linken Flügel" zuordnen, ja. Aber tatsächlich denke ich, wir müssen gar nicht über Kommunimus nachdenken, oder diesen gar favorisieren, Nein! Aber fangen wir vorne an:
Vom Kapitalismus
Wikipedia - Allgemein wird unter Kapitalismus eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung verstanden, die auf Privateigentum an den Produktionsmitteln und einer Steuerung von Produktion und Konsum über den Markt beruht.[1] Als weitere konstitutive Merkmale werden genannt: die Akkumulation, für manche das „Herzstück“, Hauptmerkmal und Leitprinzip des Kapitalismus,[2] und das „Streben nach Gewinn im kontinuierlichen, rationalen kapitalistischen Betrieb“.[3]
Solidarität?
Gibt es wirklich noch jemanden der daran Zweifel hat, dass der Hauptzweck von wirtschaftlichen Unternehmen der ist, Gewinn zu maximieren? Es ist gut, dass Unternehmen über Gesetze "gezwungen" werden, sich solidarisch zu verhalten. Diese äußert sich in der Pflichtabgabe bestimmter Beiträge und natürlich von Steuern. Arbeitslosenversicherungsbeiträge, Rentenversicherungsbeiträge, Pflege- und Krankenversicherungsbeiträge und auch von Steuern.
Aber hier endet die Solidarität, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen mögen.
Welche Möglichkeiten hat ein Unternehmen, den Gewinn zu maximieren?
- Immer mehr Produkte verkaufen!
- Die vorhandenen Produkte teurer verkaufen!
- Die zu verkaufenden Produkte günstiger produzieren!
- Weniger Sozialabgaben zahlen!
- Weniger Steuern zahlen!
Fällt euch noch etwas ein? Schauen wir uns diese Möglichkeiten kurz an:
Gewinnmaximierung
Immer mehr Produkte verkaufen - hier mag es natürliche Grenzen geben, wann diese Möglichkeit ausgereizt ist. Zum einen setzen die endlichen Ressourcen unseres Planeten eine Grenze, aber womöglich sind auch irgendwann alle Menschen mit einem Produkt ausgestattet. Selbstverständlich bringe ich immer wieder neuere Versionen meines Produktes heraus, wie z.B. bei Smartphones. Viele Menschen kaufen sich alle zwei Jahre neue Geräte. Aber welcher Müll hierbei produziert wird, ist immens. Müllentsorgungskosten fallen auch nicht unbedingt den Unternehmen zu und somit müssen diese realen Kosten auch wirtschaftlich nicht mit berechnet werden; zumindest für den Gewinn des Unternehmens.
Die vorhandenen Produkte teurer verkaufen - auch hier sind natürliche Grenzen im Spiel. Unternehmen müssen immer wieder neu die Relation der Einzelpreise zum Massenverkauf in Harmonie halten. Da jedoch auch die Einkommen derjenigen, die solche Produkte kaufen sollen begrenzt ist, ist dies nur ein beschränkter Weg den Gewinn zu steigern.
Die zu verkaufenden Produkte günstiger produzieren - und wieder Grenzen. Wie mache ich ein Produkt günstiger? Indem ich die Produktionskosten senke. Am Teuersten sind meist die Mitarbeiter. Glücklich scheint deshalb der Unternehmer, der überhaupt keine Menschen benötigt. Da haben wir auf der einen Seite die automatisierte Produktion und auf der anderen Seite viele Internetunternehmen, welche zumindest weniger Mitarbeiter benötigen, als z.B. ein Wohlfahrtsunternehmen. Problematisch für eine Gesellschaft ist hier vor allem, dass weniger Mitarbeiter automatisch zu weniger Steuereinnahmen und zu weniger Einnahmen in unsere Sozialversicherungskassen führen.
Weniger Sozialabgaben zahlen - dies ist möglicherweise eher schwierig für Unternehmen zu realisieren. Die mir bekannten legalen Wege dies zu erreichen sind vor allem, Mitarbeiter nur noch in nicht-sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen einzustellen. Mini-Jobs nennt man das manchmal. Unternehmen investieren hierzu auch in die diversen Lobbyvereine, die parlamentsnah Einfluss auf unsere gewählten Politiker nehmen sollen. Das hat wahrscheinlich auch öfter Erfolg, als wir denken. So verstehe ich bis heute nicht, dass in einem auf Solidarität basirenden Gesellschaftssystemn z.B. nicht alle in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen müssen (Selbständige, Beamte, etc.), aber das ist ein anderes Thema.
Weniger Steuern zahlen - hier profitieren viele große Unternehmen vor allem von der Globalisierung. Diese bietet Möglichkeiten, Firmensitze in Länder zu verlegen, in denen der Steuerkontext deutlich günstiger ist, als z.B. in Deutschland. Hierüber wird großer Einfluss auf Regierungen genommen. Die Drohung, bei bestimmten, für meinen Gewinn ungünstigen Rahmenbedingungen, in ein anderes Land zu wechseln, beeinflusst wahrscheinlich so manche Politikerentscheidung. Beim Thema Steuern scheint es auch eine Menge an halb-, oder illegalen Möglichkeiten zu geben. Aber damit kenne ich mich nicht so gut aus. Auf jeden Fall ist hier zu erwähnen, dass ein "kleiner" Angestellter meist nicht diese Möglichkeit hat.
Probleme / Argumentationen
Immer wieder wird von marktwirtschaftlicher Seite mit einer Reihe typischer Ideen argumentiert. Wir leben in einer freien Welt. Also sollte jeder auch frei tun und lassen können, was er will. Die Freiheit des Einen hört da auf, wo die Freiheit des Anderen anfängt. Dem stimme ich auch grundsätzlich zu. Mit der Freiheit jemanden verletzen zu wollen, schränke ich immens die Freiheit desjenigen ein, den ich da verletze. Aber wie sieht es mit der Freiheit aus, bezogen auf den Kontext, in den ich mehr oder weniger unfreiwillig hinein geboren werde. Dieser ist viel schwieriger zu berücksichtigen, hat jedoch enorme Auswirkungen.
Neoliberalismus
Der Markt regelt die Dinge ganz von alleine. Dies ist gerne von FDP Mitgliedern bemerkt. In der Anfangszeit des Kapitalismus war dies auch sicherlich ein wenig mehr wahr, als es heuzutage zu sein scheint. Die einzige Eisdiele in der Stadt bekommt nun Konkurrenz. Nun kann sie nicht mehr machen, was sie will. Sie muss ihr Eis qualitativ verbessern und oder einen besseren Preis anbieten. Ansonsten gehen die Kunden eben zum Konkurrenten. Wie sähe es aber mit einer weltweit agierenden Eisdielenkette aus, die soviel Kapital besitzt, dass eine der Filialen vielleicht gar nicht auf Gewinn angewiesen ist. Man kann das Billigste vom Billigsten anbieten und abwarten, dass der einzelne Konkurrent daran zugrunde geht. Wenn der dann weg ist, kann ich wieder machen was ich will und auch wieder wirtschaftlich meine Preise bestimmen. Wie regelt sich der Markt hier? Und wird über diese Strategie Qualität gesteigert?
Überhaupt scheint der Kapitalismus in vielen Branchen mehr zu einer Verbilligung, als zu einer qualitativen Steigerung geführt zu haben. Wenn zeitgleich seit Jahren Gehälter und Löhne immer weniger zu werden scheinen, sind die Menschen auch automatisch auf billigere Produkte angewiesen.
Tatsächlich sind die Preise, die wir für die unterschiedlichen Produkte bezahlen, und der Umsatz / Gewinn der sich daraus für Unternehmen ergibt, alles andere als realistisch. Es fehlt hier nachdrücklich an nachhaltigem Denken, es fehlt an einer systemischen Denkweise. Soweit ich informiert bin wird bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung von Atomkraftwerken nicht die Uran-Entsorgung miteinbezogen. Diese scheint ausschließlich der Steuerzahler zu tragen.
Privatisierung
In den letzten Jahrzehnten wurden immer wieder kommunale Unternehmen mit der Begründung privatisiert, privatwirtschaftlich können diese sinnvoller, ökonomischer und marktwirtschaftlicher betrieben werden. Aber ich als Laie horche auf und habe das Gefühl, dass ein Unternehmen wie z.B. die Bahn ihre Gewinne an die Aktionäre auszahlt, aber die Kosten über staatliche Subventionen auf die Bürger (zumindest mit-) verteilt. Überhaupt ist es für mich schwer vorstellbar, welchen finanziellen Vorteile zig verschiedene Energieanbieter haben sollten, die alle eine eigene Verwaltung unterhalten müssen, gegenüber eines einzigen kommunal geführten. Es wurde auch behauptet, dass Mitarbeiter unter kapitalistischen Marktbedingungen motivierter und effektiver arbeiten, was meines Erachtens doch eher ein Problem von Mitarbeiterführung in kommunalen Verwaltungen wäre.
Andere Argumente für die Privatisierung waren auch immer unterstellte Kungeleien und Vetternwirtschaft bestimmter Kommunen, aber auch die Gleichstellung von Anbietern auf den freien Markt. Ersteres wäre für mich jedoch eher Führugsaufgabe und beim Zweitem handelt es sich eher um eine redundante, sich in den Schwanz beissende Argumentation für den Kapitalismus.
Wachstum
Ein letztes großes Problem in er Argumentation für den Kapitalismus, zu mindest in meinem beschränktem Verstand, sehe ich in der "Unwahrheit", ein Unternehmen müsse seine Produktivität immer mehr steigern, um auf dem Markt überleben zu können, müsse immer weiter wachsen. Ich befürchte, dass aus dieser Denkweise viel Leid entsteht. Nehmen wir einmal an, ein bestimmtes Unternehmen hätte mit seinem Produkt oder seiner Dienstleistung einen recht stabilen langfristigen Gewinn. Heisst, alle Gehälter und Unkosten würden bezahlt werden können, man nimmt mehr Geld ein, als man ausgibt, und es bleibt jährlich eine Summe X übrig, z.B. zum investieren. Warum sollte dieses Unternehmen nur überleben können, wenn jährlich dieser Gewinn gesteigert wird. Vielleicht verstehe ich ja nur nichts von solchen betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten; ich befürchte aber, dass der einzige Grund für diese Argumentation als Gier zu bezeichnen ist.
Alternativen
Was in all diesen neoliberalen Argumentationen völlig fehlt, sind die Kosten des Kontextes, der in der Regel nicht mitgedacht wird, der womöglich absichtlich nicht transparent veröffentlicht wird. In der Systemtheorie geht man davon aus, dass man ein Individuum nicht ohne dessen Kontext denken kann; auf jeden Fall kann man einen Menschen nicht verstehen, wenn man nicht auch dessen Kontext mit einbezieht. In solch unterschiedlichen Kontexten verhalte ich mich auch anders, oder mit anderer Motivation. Ich bin im Kreise meiner Familie nicht exakt derselbe, wie im Kreise meiner Arbeitskollegen. Dinge, die mich zu Hause aufregen, lassen mich auf der Arbeit kalt.
Kontexte
Die Arbeit, die ich tue, tue ich aus meinen Berufserfahrungen und meiner Qualifikation heraus. Mein Arbeitgeber stellt mir jedoch einen Kontext zur Verfügung, innerhalb dessen ich meine Tätigkeit (hoffentlich) besser ausüben kann, als ohne diesen. Ein stabiles und sicheres Arbeitsverhältnis, so dass meine Arbeit nicht durch Existenzängste beeinflusst ist. Eine technische und räumliche Ausstattung. Arbeitskollegen im Nachbarbüro, mit denen ich mich fachlich austauschen kann.
Ein Land wie Deutschland ist für Unternehmen auch als ein solcher Kontext. Soziale Sicherheit und vernünftige Einkommen sorgen u.a. für ein stabiles Umfeld für ein Unternehmen. Es muss (hoffentlich) nicht befürchtet werden, dass es zu lokalen Unruhen kommt, die mein Unternehmen gefährden. Es sind in manchen Ländern schon durch solche Unruhen Unternehmen enteignet worden. Eine konkrete Friedenspolitik sorgt ebenso dafür, dass Unternehmen stabile Rahmenbedingungen haben, um ihre Geschäfte und Gewinne zu machen.
Tatsächlich können wir einen solchen Kontext noch weiter ausdehnen. Welche Auswirkungen hat es langfristig auf Unternehmen, wenn wir unsere Umwelt weiterhin so belasten? In den systemischen Denkweisen beachtet man aber nicht nur den Kontext, sondern besonders die Zeit. Umgangssprachlich nennt man das Nachhaltigkeit. Ich kann natürlich meine Gewinne auf die nächsten 10 Jahre planen und extrapolieren; wie sieht es aber in 20 Jahren, in 30, in 50, usw. aus und wie sind die Auswirkungen meiner Unternehmenspolitik auf Umwelt und Gesellschaft?
Dies berücksichtigend müssen wir uns fragen, welche Auswirkungen die Politik und auch die "Entfesselung" des Kapitalismus der letzten Jahre hatten. Ein Großteil der Menschen verdient immer weniger Geld. Immer mehr Menschen in einer vollzeit Anstellung bekommen kaum mehr als ein Existenzminimum. Menschen leben teilweise in der zweiten und dritten Generation als Harz 4 Empfänger. Früh erkrankte oder behinderte Menschen haben kaum eine Chance jemals in ihrem Leben, sogar beim Erreichen der Altersrente, mehr als 424,- EUR monatlich zu erhalten.
Immer reicher?
Das durchschnittliche monatliche Bruttogehalt eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers in Deutschland lag im Jahr 2017 bei ca. 3.770 Euro. (Quelle: https://de.statista.com/themen/293/durchschnittseinkommen/)
Weiter noch:
Das reichste Prozent besass 2017 18% des Nettogesamteinkommens in Deutschland.
Die reichsten 10 Prozent besassen mehr als die Hälfte des Nettogesamteinkommens.
50 Prozent der Gesamtbevölkerung besassen 1.3 des Nettogesamteinkommens. (Quelle: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einkommen-deutschland-studie-1.4629130)
Bei den Zahlen ist es sehr zynisch immer noch über Neiddebatten zu sprechen, oder Kritiker als linke Spinner ab zu tun.
Dies instabilisiert eine Gesellschaft und damit auch den Kontext, in dem sich Unternehmen aufhalten. Noch profitieren große Unternehmen dabei von der Globalisierung. Wird es zu unsicher, gehe ich eben weg. Ein Mittelständler kann dies meist nicht tun. Es entsteht eine Abwärtsspirale. Also noch weniger Einkommen, noch weniger Steuergelder, noch weniger Sozialleistungen, noch weniger Stabilität für Unternehmen. Klingt vielleicht übertrieben, aber am Ende leben wir dann in einem "Mad Max Film" und kämpfen wieder mit Schwert und Pistole ums überleben. Nicht so übertrieben ist hingegen, dass es mittlerweile wieder eine Partei, wie die AFD gibt, und das finde ich weniger zum Lachen. Sehr schockierend ist dabei, das viele von den Opfern noch leben, die das durchleiden mussten, was die AFD heute wieder umsetzen will.
Betriebswirtschaft
Wie weiter oben schon erwähnt, lassen sich betriebwirtschaftliche Berechnungen und Vorhersagen nicht so einfach erstellen, ohne vorher zu definieren, welche Kontexte und Zeiträume man zugrunde legt.
Nehmen wir als Beispiel die Rüstungsindustrie. Man wird dem Bürger sicherlich vorrechnen können, wieviel Arbeitsplätze und damit Steuergelder verloren gehen, würde man den Export von Waffen ins Ausland vollständig verbieten. Niemand klärt uns aber über die Kosten auf, die entstehen, weil diese verkauften Waffen auch benutzt werden. Immerhin unterstützen wir Kriege, indem wir Waffen exportieren. Kriege sorgen dafür, dass Menschen aus Kriegsgebieten fliehen. Viele dieser Menschen kommen zu uns. Dies erzeugt Kosten. Alleine deshalb sehe ich die AFD als eine rechtsgerichtete, faschistische Partei an. Sie geben den Menschen, welche fliehen wollen, die Schuld und nicht z.B. der Waffenindustrie, oder der Regierung, die dies erlaubt!
Immer wieder werden Unternehmen über die Globalisierung in bessere finanzielle Kontexte gehoben, Folge- und Nebenkosten davon werden jedoch nicht globalisiert. Wir können Billigtechnologie aus China über das Internet bestellen. Sie kaufen möglicherweise eine LED Glühbirne für ein paar Cent. Diese Glühbirne wird mit einem Schiff nach Deutschland transportiert. Wie kann alleine bei diesen Transportkosten ein solches Produkt für so wenig Geld verkauft werden? Der Müll aber, den diese Glühbirne irgendwann einmal produziert, der wird hier in Deutschland Kosten erzeugen. Solche Zusammenhänge werden in Wirtschaftlichkeitsberechnungen nicht mit einbezogen - müssen jedoch als reale Kosten anerkannt werden.
Verschobene Kosten auf Kosten von ...
Um allgemein Produktionskosten zu senken, wird oft in Ländern produziert, welche deutlich geringere Lohnkosten zur Verfügung stellen können. Kinder, die Turnschuhe, oder Fußbälle zusammen nähen. Für Unternehmen bedeutet das deutlich höhere Gewinne. Uns als Gesellschaft jedoch kostet es ungemein viel Geld. Zum einen haben wir am Ende wieder den Müll, der auf unsere Kosten entsorgt werden muss. Auf der anderen Seite reden wir hier über Länder, die sehr sehr arm sind. Sie sind so arm, dass sie überhaupt keine Chance haben, sich z.B. an der Rettung unserer Umwelt zu beteiligen. Sie haben keine ausreichende Infrastruktur, um Müll zu trennen, um Alternativen gegen Plastikmüll umzusetzen.
Paradoxerweise gibt es in Deutschland nicht wenige Menschen, die sich beschweren, dass man sich in Deutschland für die Umwelt einsetzen möchte, wo doch in anderen Ländern nachwievor die Plastiktüten und die Autoreifen im Vorgarten verbrannt werden. Das ist wirklich perfide und lassen Sie sich dies auf der Zunge zergehen: Wir beuten diese Länder über Billig- und Kinderarbeit wirtschaftlich aus und sagen nacher, wir investieren kein Geld in den Umweltschutz, weil die das ja auch nicht machen. Kommt Ihnen da nicht auch das Essen wieder hoch?
Freiheit?
In Talkshows wird oft behauptet, man würde uns die Freiheit einschränken, indem wir bestimmte Waren teurer machen oder weil diese nicht jederzeit verfügbar sind. Als ich klein war, gab es Spargel, Erdebeeren, o.ä nur zu bestimmten Zeiten. Wie groß wäre der Verlust, wenn bestimmte Produkte nicht jederzeit zur Verfügung stünden? Klingt wie in der DDR, oder? Früher haben wir uns besonders darüber gefreut, wenn eine bestimmte Saison kam. Stellen Sie sich alle Kosten vor, die im Zusammenhang mit der Lieferung bestimmter Produkte ganzjährig vorhanden sind: LKW Transporte, Abgase, Staus, Monokulturen, und anschliessend wird statistisch ein Drittel weg geworfen.
Massentierhaltung: Nach Richard David Precht der größte CO2 Produzent. Wir nehmen in Kauf, dass Großbauern kleine Bauern zugrunde richten, es uns egal ist, wie diese Lebewesen leben und sterben, dass unsere Umwelt massiv belastet wird - und wofür? Damit wir ungesundes bis krankmachendes Fleisch konsumieren können. Wir diskutieren aber nur über Diesel und Fahrverbote. In der Tiefsee gibt es Lebewesen, die sich von den dort gebundenen Methanvorkommen ernähren. Die Giftbelastung der Meere tötet diese Lebenwesen und das Methan kann aufsteigen und unseren Treibhauseffekt potentieren. Die Natur ist ein unglaublich komplexes System. Niklas Luhmann soll gesagt haben, derjenige, der glaubt, mit einer konkreten Intervention auch ein vorhersehbares konkretes Ziel zu erreichen, sei entweder größenwahnsinnig oder blöde. Wir können jedoch diese Komplexität nicht hollistisch betrachten, weil über den Kapitalismus die Dinge künstlich getrennt werden und eine Zusammenschau nicht erlaubt erscheint..
Geld
Ist Geld wirklich noch ein wertebasiertes Tauschmittel? Wer bestimmt den Wert des Geldes? Zentralbanken bestimmen heute globale Zinsen und sind zum Teil unabhängig von den Weisungen der Regierungen konstruiert, sind im Grunde im Besitz der Notenbanken. Von 2011 bis 2019 war Mario Draghi Präsident der EZB. Jener arbeitete lange Zeit bei Goldman und Sachs. Natürlich kann man argumentieren, dass man hier einen "Finanzexperten" zum Präsidenten macht. Aber können wir wirklich vollständiges Vertrauen zu jemanden haben, der möglicherweise eher privatwirtschaftliche Interessen im Hinterkopf hat - zumindest kann uns keiner das Gegenteil versichern.
Hier wird bestimmt, wieviel Geld neu gedruckt wird. Dies hat selbstverständlich Auswirkungen auf den Wert des Geldes und der Währungen. Ratingagenturen bestimmen heute nicht nur den Wert von Unternehmen, sondern sogar von ganzen Ländern. Ich frage mich, wozu wir Regierungen und Universitäten haben, wenn dies zum großen Teil privatwirtschaftlich bestimmt wird. Es gibt Unternehmen, die über deutlich mehr Kapital und Wirtschaftsleistungen verfügen, als ganze Länder. Wie werden hierdurch reale Machtverhältnisse verschoben?
Geldadel?
Fritz Simon sieht im Geld ein Kommunikationssystem und stellt eine darauf basierende Wirtschaftstheorie auf den Kopf. Besonders Eigentum spielt hier eine große Rolle. Wenn ich kein Geld habe, kann ich kein Geld ausgeben, oder ich muss mir Geld leihen. Das Leihen kostet mich zusätzliches Geld. Habe ich viel Geld, kann ich es vermehren, indem ich es verleihe, oder indem ich es investiere. Wenn ich Eigentum besitze, kann ich selbiges Beleihen und mir somit Geld zur Verfügung stellen lassen, um es wiederum zu verleihen und zu investieren - es also zu vermehren. D.h., ist schon Eigentum oder Geld vorhanden, kann man Geld vermehren, ohne dafür arbeiten zu müssen. Also, Leistungsgesellschaft 2.0.
Dies erklärt, warum es so schwierig ist, sich aus geldarmen Kontexten zum Reichtum hoch zu arbeiten. Vom Tellerwäscher zum Millionär, sozusagen. Und es erklärt, warum es viel leichter ist, aus einem reichen Kontext heraus reich zu bleiben, oder sogar reicher zu werden. Oder, wie Volker Pispers sagt: In unserer Gesellschaft kann grundsätzlich jeder reich werden, aber eben nicht alle. Und der größere Teil ist nicht reich, stellt aber die demokratische Mehrheit einer Gesellschaft dar.
Was oft vergessen wird, von Pispers oft polemisch betont, dass Zinsen, die durch das Vorhandensein von viel Geld, erwirtschaftet werden, ja irgendwo herkommen müssen. "Die Scheine rammeln ja nicht im Tresor und erschaffen damit Nachkommen!" Diese Zinsen, die damit verdient werden, müssen an anderer Stelle erarbeitet werden. Liebe(r) Mittelständler*In, liebe(r) Handwerker*In, liebe(r) Krankenpfleger*In, liebe(r) Sozialarbeiter*In - ratet doch mal wer das tut!!!
Achtung, der folgende ist jetzt wahrscheinlich doch ein sehr sozialistischer Satz: Damit im Kontext von grundsätzlich begrenzten Ressourcen Gewinne dennoch immer weiter gesteigert werden können, muss Geld immer weiter umverteilt werden. Muss man wirklich Mathematiker sein um zu sehen, wo das Ergebnis liegt?
Gehirnalgorhytmusgebrummel
Wissen und Informationen
Alle diejenigen, die in privatwirtschaftlichen Unternehmen arbeiten, haben irgendwann eine gesellschaftsgeförderte Ausbildung genossen. Grund-, Mittel- und Sekundarschulen. Ausbildungen sind meist von den Unternehmen bezahlt, aber oft staatlich gefördert. Universitäten mögen heute auch Geld kosten, würden aber nur durch die Studiengebühren nicht finanziert werden können. D.h. dass sehr viele Menschen, die in hohen Positionen viel Geld verdienen, ihre Wissensbasis nicht unwesentlich der von der Gemeinschaft bezahlten Ausbildung verdanken. Weiter noch: Natürlich haben auch Unternehmen eigene Forschungsabteilungen, aber wie viel Innovationen gehen auf die Grundlagenforschungen unserer Universitäten zurück. Hier stellt sich die Frage, wie diese von uns allen geleistete Investition wieder teilweise an uns zurück geführt wird.
Ich frage mich schon lange, warum bestimmte Politiker mutmaßlich sehr viel Geld für Berater ausgeben, wenn wir uns doch als Gesellschaft einen großen universitären Apparat leisten.Warum werden wir von Mitarbeiter von Goldman Sachs beraten, wenn wir schon aus bezahlten Steuern über Philosophen, Politikwissenschaftler, Soziologen, Mathematiker, Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker verfügen.
Firma vs Republik
Internetunternehmen wie Google oder Facebook gehören zu den reichsten und damit mächtigsten Unternehmen. Wie weiter oben erörtert, kann man hohe Geldmengen auch als hohe Einflussfaktoren und damit als Macht betrachten. Ich stelle mir gerne vor, eine Universität hätte diesen erfolgreichen Suchalgorhythmus der Google-Suchmaschine erfunden und dieser könnte gemeinnützig betrieben werden. Einen Moment: Ich muss kurz mal weinen. Vielleicht habe ich persönlich gar nicht so ein großes Problem damit, dass Google und Facebook an meinen persönlichen Daten und Surfgewohnheiten Geld verdienen. Wenn wir diese Daten jedoch als unser persönlich Eigentum betrachten frage ich mich, warum ich aus dem resuliterenden Gewinnen nicht beteiligt werde. Niemand käme auf die Idee, Google in dieser Form etwas vom Gewinn weg zu nehmen - das wird dann möglicherweise Enteignung genannt . Die Idee aber, dass Google mit meinem Eigentum sehr viel Geld verdienen darf, bestreitet niemand.
Lösungen
Natürlich sind Lösungen denkbar; nichts ist unveränderlich! Sie müssen gedacht werden dürfen, ohne von vornherein verteufelt zu werden. Sie müssen geplant und durchdacht werden und anschliessend muss man entscheiden, dass man sie umsetzen will. Vor allem benötigen wir eine Wertedebatte. Wir müssen uns überlegen, welche Werte uns als freie Gesellschaft wichtig sind, und auch was sie uns geld-"wert" sind. Wie wollen wir Arbeit bezahlen? Nach welchem Kriterium? Wohlfahrtsverbände, oder Krankeneinrichtungen werde heute schon ähnlich wie Wirtschaftsunternehmen betrachtet. Diese erwirtschaften aber oft keinen Gewinn, weil es per se gar nicht deren Unternehmenszweck ist, Gewinne zu erwirtschaften. Sie refinanzieren sich über Sozialhilfeträger, die wiederum über Sozialhilfeversicherung und Steuern bezahlt werden. Natürlich sollten sich solche Unternehmen grundsätzlich wirtschaftlich verantwortlich verhalten, aber nicht in einer kapitalistischen Denkweise. Wir reden über Unterstützung von Menschen, die diese Unterstützung benötigen. War da nicht irgendwas mit Solidarität?
Wer dient wem?
Wir müssen uns meines Erachtens wieder bewusst machen, was der Zweck, auch eines Kapitalismus sein sollte: der Gemeinschaft zu dienen, dem Gemeinwohl zu dienen und aus dieser Denkart heraus, sollten Bewertungen und Gesetze erarbeitet werden. Wir machen das zurzeit in sehr vielen Fällen genau anders herum.
Du linker Spinner - Du willst doch wieder den Kommunismus. Ja? Ist das wirklich nur so zu deuten? Leider findet auch in den Medien beizeiten eine Hetze gegen vermeintlich linke Ideen statt. Wenn man über die Kühnert Enteignungsdebatte nachdenkt, und welche medialen Auswirkungen diese hatte. Aber es geht doch nicht darum, sofort alle Unternehmen zu enteignen; man muss bestimmte Dinge zumindest Denken dürfen, um daraus mögliche Lösungen und neue Ideen zu entwickeln. Der Kapitalismus ist eine heilige Kuh; anscheinend darf man diesen nicht einmal hypothetisch anfassen, damit das Geschrei schon groß wird. Das ist es, was Entwicklung und Veränderung behindert.
Zu all diesen Ideen, die man anscheinend nicht denken darf, möchte ich zumindest die ein oder andere noch vorstellen.
Bedingungsloses Grundeinkommen
Das Bedingungslose Grundeinkommen bedeutet, dass jedem Bürger, unabhängig davon, ob er oder sie irgendwie produktiv tätig ist, ein monatliches Grundeinkommen vom Staat zur Verfügung gestellt wird. Ein monatliches Einkommen also, welches an keinerlei Bedingungen geknüpft ist. Lassen Sie sich das einmal auf der Zunge zergehen. Demnach würde auch ein sehr reicher Mensch monatlich dieses Geld erhalten.
Ich muss zwangsläufig an Herrn Müntefering denken, der einmal sagte: "Wer nicht arbeitet, der muss auch nicht essen!". Und das ausgerechnet von einem SPD Politiker. Ich werde beim Schreiben schon rot im Gesicht. Dass man auch mal die Heizung ausmachen kann und einen dicken Pulli anziehen soll, oder einfach mal kalt, anstatt warm duschen, kommt von Thilo Sarrazin. Auch SPD. Meine Güte, was ist denn da mit meiner Partei los?
Grundsätzlich steht das "Bedingungslose Grundeinkommen" dem natürlichen Gerechtigkeitsgefühl entgegen. Sogar bei denjenigen, die davon profitieren würden. Es gibt aber eine ganze Reihe von Gründen, die dafür sprechen, solch ein System einzuführen:
Wie Richard David Precht nicht müde wird zu erläutern, steht uns eine große Revolution bevor, bzw. läuft gerade ab, die große Auswirkungen auf unsere Joblandschaft haben wird. Es sei damit zu rechnen, dass in den nächsten 10-20 Jahren in diversen Branchen bis zu 70% aller Jobs durch Computer und Software erledigt werden können. Betroffen werden vor allem der Sozialversicherungsbereich, Verwaltungsbereiche, kaufmännische Bereiche sein. Ich persönlich glaube ja nicht an Pflegeroboter. Hier wird es möglicherweise nicht zu Ersatz kommen. Wenn also grundsätzlich gar nicht genug Arbeitsplätze für Menschen vorhanden sein werden, wird auch unser derzeitiges Arbeitslosensystem sinnlos.
Eine weitere große Gefahr wird dann sein, dass noch mehr Menschen ausschließlich in Helferbereichen tätig sein müssen, als bisher schon. Nach 4 Jahren in der Schulung von arbeitslosen Menschen kann ich selber nur sagen, dass mich immer am meisten gewundert hat, was wir mit diesen Armeen von Reinigungs- und Küchenhelfern tun können. Subjektiv würde ich sagen, dass ich in diesen vier Jahren 70% meiner "Kunden" in diese Bereiche vermittelt habe. Einen Großteil davon im Rahmen von Minijobs.
Freiheit
Befürworter des "Bedingungslosen Grundeinkommens" argumentieren, dass jemand, der nicht unter finanziellen Existenzdruck stehe, möglicherweise in kreativer Weise nach sinnvoller Beschäftigung suche, aus der wiederum bezahlte Arbeit entstehen könnte, mittels derer wiederum in unser Sozialsystem einbezahlt würde. Oder es entstehen gar kreative neue Ideen, die sonst so nicht entstanden wären. Die Firma Google hat angeblich früher ihren Mitarbeitern 20% der täglichen Arbeitszeit für eigene Projekte zur Verfügung gestellt. Es wurde nicht hinterfragt, ob diese Projekte möglicherweise zu einer Wertschöpfung führen. Ich glaube, dass hierbei das kreative Potential enorm hoch ist.
Eine oft geäusserte Kritik dem Bedingungslosen Grundeinkommen gegenüber, neben der oben erwähnten "Ungerechtigkeit", ist die angebliche Unbazahlbarkeit desselben. Dem würde ich aber derzeitig anfallende Kosten, z.B. durch die Jobcenter und der damit verbundenen Arbeitslosengelder entgegenhalten.
Das Jobcentersystem
Gut, dies soll hier keine generelle Schlappe dem Jobcenter und den Kollegen dort gegenüber werden. Die nachfolgenden Ausführungen beruhen auch auf subjektiven Erfahrungen meinerseits. Dennoch möchte ich einige Beispiele hier anbringen:
Ein ALG II Bezieher bekommt derzeit die Miete, inkl. Heizungs- und Betriebskosten, von bis zu 374,00 EUR bezahlt. Darüber hinaus erhält man Betrag 424,00 EUR monatlich. Davon muss Strom und alles andere, was zum Leben benötigt wird selber bezahlt werden. Macht zusammen: 798,00 EUR. Möglicherweise bekommt man eine vom Jobcenter geförderte Bildungsmaßnahme. Solche Maßnahmen laufen oft ca. 2-6 Monate und kosten zwischen 2000,00 und 3000,00 EUR. Manche Menschen sind über die Jahre in mehreren dieser Maßnahmen. Oft werden diese Menschen nur an einen Arbeitgeber vermittelt, wenn hier zusätzlich über einen Vermittlungsgutschein Geld vom Jobcenter bezahlt wird. Dafür ist ein kompletter Markt entstanden. Also private Jobvermittler, welche ein Netzwerk von Arbeitgebern haben, die nur auf Basis eines solchen Vermittlungsgutscheines existieren.
Die Schulen, die solche Maßnahmen für die Jobcenter anbieten, agieren oft unter ungünstigen Rahmenbedingungen. Die Aufträge werden jählich, teilweise halbjählich vergeben und man kann nie wissen, ob man den Zuschlag für eine solche Maßnahme erhält. Diese Unternehmen können dann selber nur befristete Verträge für ihre Mitarbeiter ausstellen. Dies senkt oft die Qualität der Dozenten, die sich auf solche unsicheren Stellen bewerben (müssen).
Die Jobcenter selber erzeugen ebenfalls ernorme Kosten: Gehälter, Mieten Infrastruktur.
Ich will hiermit auch nur zum Ausdruck bringen, welche enormen Kosten zurzeit sowieso schon durch den Steuerzahler zu leisten sind, und dieses sollte sicherlich bei der Überlegung eines Bedigungslosen Grundeinkommens in Relation gebracht werden.
Gemeinwohlökonomie
Als Gemeinwohl-Ökonomie werden seit den 1990er Jahren verschiedene Konzepte und alternative Wirtschaftsmodelle bezeichnet, die eine Orientierung der Wirtschaft am Gemeinwohl, Kooperation und Gemeinwesen in den Vordergrund stellen. Auch Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung („Partizipation“) werden als Werte der Gemeinwohl-Ökonomie bezeichnet. (Wikipedia)
Die Gemeinwohlökonomie basiert u.a. darauf, dass bei einer Unternehmensbilanz nicht nur wirtschaftliche Faktoren berücksichtigt werden, sondern auch eine "Gemeinwohl-Bilanz". Bei einer solchen Bilanz spielen Kriterien, wie Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitentscheidung bei Mitarbeitern und Kunden eine Rolle. Mithilfe einer solchen Bilanz soll das Unternehmen wieder stärker im Sinne einer Solidarität mir der Gesellschaft verschränkt werden.
Dies könnte bedeuten, dass sich die Höhe von Sozialabgaben und Steuern an dieser Gemeinwohlbilanz auszurichten hat.
Zurzeit gibt es Unternehmen und Kommunen, die sich freiwillig einer solchen Gemeinwohlökonomie verpflichten. Unter dem nachfolgenden Link finden Sie solche Unternehmen: https://www.ecogood.org/de/die-bewegung/pionier-unternehmen/
Tatsächlich könnte man durchaus behaupten, dass unser Staat schon längst an eine solche Gemeinwohlorientierung verpflichtet ist: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen.“ (Deutsches Grundgesetz, Art. 14). Viele Unternehmen betreiben Qualitätsmanagementssysteme, in welchen oft auch manche dieser Forderungen integriert sind. Nebenbei: Wie wäre ein Qualitätsmanagementssystem für Politiker?
Eine solche Gemeinwohlökonomie scheint auf jeden Fall eine Idee zu sein, kapitalistische Strategien wieder deutlich mehr über verpflichtende Solidarität mit der Gesellschaft zu verschränken. Da diese Thematik sehr komplex ist, plane ich, in den nächsten Wochen hier dazu einen Extraartikel zu veröffentlichen.
Wissenschaft und Universitäten
Natürlich ist bei wissenschaftlichen Erkenntnissen immer schwer einzuschätzen, wer für irgendeine Innovation ursächlich ist oder nicht. Dennoch sollten wirtschaftlich erfolgreiche Produkte einen Teil der Gewinne wieder in diese Grundlagenforschungen zurück führen müssen. Und das nicht als interessengeleitetes Sponsoring, welches die Neutralität in der Auswahl der Forschungsziele beeinflusst.
Wir leisten uns einen recht teuren universitären Apparat, und das ist gut so. Im Grunde muss den Universitäten noch viel mehr Geld zur Verfügung gestellt werden. Hier liegen die Lösungen für unsere Langzeitprobleme. Unsere parlamentarische Demokratie ist durch eine jahrelange Entwicklung entstanden. Warum sollte diese Entwicklung eigentlich aktuell zu Ende sein? Glaubt irgendwer, wir hätten schon die Krone der politischen Evolution erreicht? In diesem Zusammenhang kann ich den Satz, "Unser System mag nicht perfekt sein, aber wir haben nun mal kein besseres!", echt nicht mehr hören. Nein, ich will keinen Sozialismus, aber zwischen unserer parlamentarischen Demokratie und ebendiesen wird es doch weiteres Potential geben! Wo werden die Politikwissenschaftler, Soziologen, Organisationspsychologen eigentlich in den politischen Diskurs eingebunden? Wo ist das Qualitätsmanagementsystem, was die kontinuierliche Verbesserung unseres politischen Systems vorantreibt?
Meines Erachtens sollten permanent Berater aus dem universitären und wissenschaftlichen Milieu unseren Politikern zur Verfügung stehen. Immerhin bezahlen wir diese Menschen doch sowieso schon. Warum werden teure Berater aus der Wirtschaftsfinanzwelt (die möglicherweise mehr ihre eigenen, als unsere Interessen im Kopf haben) eingekauft, wo wir doch deren "Lehrer" nutzen könnten?
Ausnahmen abschaffen
Da wir uns als eine solidarische Gemeinschaft bezeichnen, sollten auch alle zu gleichen Teilen ihren Anteil daran leisten müssen. Ich habe grundsätzlich nichts gegen private Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungen, wenn eine gewisse Basis stets auch parallel in die gesetzlichen Systeme eingezahlt würde. Wenn über den Begriff der Gerechtigkeit gesprochen wird ist schwer nachzuvollziehen, dass es bestimmte Beitragsbemessungsgrenzen gibt. Dass derjenige, der um die 4500,- Einkommen hat, dasselber bezahlt, wie jemand der 10.000,- und mehr Einkommen hat.
Beiträge der Sozialversicherungen und Steuern können auch dynamisiert werden. Je mehr Einkommen / Gewinn jemand hat, desto mehr muss auch überall eingezahlt werden, und nicht nur derselbe prozentuale Anteil. Es soll ja nicht darauf hinaus laufen, dass jeder Menschen am Ende genau dieselbe Summe übrig hat - auch wenn das ein romatischer Gedanke ist. Es muss hier jedoch dem extremen Machtgefälle entgegen gewirkt werden, dass durch immense Einkommens- und Vermögensunterschiede entsteht. Ja ja, wieder so extrem links....
Wer ist eigentlich wie wichtig? Was ist der Unterschied zwischen dem Hausmeister des Krankenhauses und dem Arzt? Sie sollen ja beide ruhig unterschiedlich verdienen. Aber ohne einen guten Hausmeister, hat der Chirurg auch kein Licht im OP. Selbstverständlich ist der Hausmeister deutlich austauschbarer, als der Arzt. Die Nachfrage bestimmt eben den Markt. Aber wer bestimmt, ob ich Arzt oder Hausmeister werde? Im Grunde arbeiten beide am gleichen Ziel, welches durch das Krankenhaus vorgegeben wird: Der Gesundheit des Patienten.
Ach: Der Markt bestimmt die Nachfrage? Wäre dem wirklich so, würde in Zeiten des Pflegenotstandes die Altenpflegerin so viel verdienen, wie der Präsident der EZB.