Über Flaggen und arme Deutsche
Deutschland steht im Finale der Fußballweltmeisterschaft! Und der Endspielgegner lautet Argentinien. Wer hätte das im Vorfeld so gedacht? Ja, auch ich schaue alle zwei Jahre in die beiden großen Turniere rein. Fußballzeit ist ja auch immer eine Zeit des Nationalstolzes, in der man als Deutscher endlich mal Flagge zeigen und die Nationalhymne trällern darf. Aber auch eine Zeit, in der man den wundersamsten Diskussionen in deutschen Kneipen beiwohnen kann. In dem Stile etwa: "Ich würde alle Fußballspieler rausschmeißen, die nicht bereit oder fähig sind, unsere Nationalhymne mitzusingen!" Oder: " Wir Deutsche sind ja sowieso immer die Blöden. Die einzigen, die sich für ihre Nationalität schämen müssen. Und sagst du mal was gegen Ausländer, bist du gleich ein Rassist!" Mein Gedankenkarussell begann sich zu drehen. Sollte ich antworten? Etwas in mir nötigte mich förmlich, also entgegnete ich:
"Wenn du was gegen Ausländer sagst, bist du selbstverständlich ein Rassist! Obwohl Rassist eigentlich nicht das richtige Wort ist. Du bist dann ein Ethnieist, weil wir Menschen biologisch gesehen keine unterschiedlichen Rassen haben, nur Ethnien. Aber wenn es für dich nun mal Rassist heißt, dann bist du ein solcher, sobald du etwas gegen Ausländer sagst!" Was folgte, war Empörung in der Rockkneipe. "Das ist doch typisch! Nur als Deutscher darf man nicht stolz auf sein Land sein! Alles wegen der Geschichte, die schon ewig zurückliegt und für die ich überhaupt nichts kann. Selbstverständlich bin ich stolz auf mein Land und das lasse ich mir auch nicht verbieten. Auch nicht von irgendeinem Neunmalklugen!" Ab da hatte ich doch Schwierigkeiten wieder einen Fuß in diese Diskussion zu bekommen. Zumal sich jetzt auch immer mehr Leute interessiert zeigten. Dabei ist es doch recht einfach: Immer wenn eine Verurteilung pauschalisiert und auf eine definierte Gruppe ausgeweitet wird, also die bekannten Stereotypen bemüht werden, ist man kraft Definition Rassist. Und stellt sich der Nationalismus übersteigert dar, sogar ein Chauvinist. Natürlich muss man auch hierzulande ein Individuum − unabhängig von seiner Nationalität − seines Verhaltens wegen verurteilen und schelten dürfen, selbst wenn es sich um einen Migranten handelt. Dann ist man natürlich kein Rassist (auch wenn manche einem das dann trotzdem gerne unterstellen). Wie auch immer: In jeder Gruppe gibt es mindestens ein "Arschloch", was aber doch nicht heißt, dass dann alle Angehörigen dieser Gruppe auch welche sein müssen, oder? Nun denn, irgendwann kam dann tatsächlich das vermeintliche Totschlagargument: "Wir sind das Sozialamt dieser Welt. Die kommen doch nur her, um unsere Steuergelder zu ergaunern!" Was dabei gerne unterschlagen wird: Solche Abkassierer gibt es nicht nur unter arbeitslosen Migranten, sondern auch ...
- bei deutschen Arbeitslosen
- bei Bänkern (und da werden teilweise Unmengen an Geld geschreddert)
- bei Politikern
- bei Schwarzarbeitern
- bei Stromkonzernen und und und ... (wen habe ich noch vergessen?)
Mal angenommen, wir würden per Volksentscheid all diejenigen aus Deutschland rauswerfen, die hier parasitär unsere Steuergelder verbrauchen − und zwar die größten Verschwender zuerst. Wer der oben Genannten stünde dann wohl zuoberst auf der Abschussliste?