Kässmann die Böse
30 August 2014 7:59 am
Hurra, die Kriegstreiber sind wieder da – oder waren Sie nie weg?
Und sie fordern vehement, dass sich Deutschland viel mehr und vor allem heftiger am Kriegsgeschehen, z.B. im Irak beteiligt. Sie beschimpfen dabei diejenigen, die sich für einen Pazifismus aussprechen, hier Margot Käßmann in Person. Nebenbei, und dies passt beim Zusammenhang zwischen Kriegstreiberei und Kapitalismus ganz gut, beschimpfen sie „Linkes Denken“ und bedauern, dass ebendieses Denken „schon in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei“. Die Argumentation ist dabei so aufgebaut, dass jeder, der möglicherweise anders denkt, nicht nur unrecht hat, sondern sich auch als inhuman und menschenverachtend „outet“.
Dabei sind Sprachgebrauch und Argumentationsstrategie durchaus mit den Sprachformen aus der Zeit 1930 – 1945 in Deutschland zu vergleichen. Alles natürlich nur schöner und professioneller ausgedrückt: man merkt gleich, dass die heutigen Kriegstreiber auf dem aktuellen Stand der rhetorischen Kommunikationswissenschaften sind. Ein Vergleich lohnt sich durchaus. Man muss jedoch bedenken, dass es auch Unterschiede gibt:
Damals wurden die Kriegsparolen noch von Gruppen militanter, breitschultriger, teils bewaffneter Menschen mit Armbinden direkt ins Volk getrichtert. Flugblätter mit indischen Symbolen darauf enthielten die Kriegstreiberthesen und die Farbe „Braun“ war zu dieser Zeit En Vouge.
Ähnlichkeiten in der Argumentation sind vor allem der undifferenzierte Gebrauch von religiösen Metaphern. Früher sollten heroische Gefühle durch den Gebrauch der altgermanischen Mystik erzeugt werden. Noch heute klingt Wagner in meinen Ohren nach. Auch heute finden Metaphern des „Bösen“ ihren Platz in der Dämonisierung der vermeintlichen Gegner. Es sind nun anscheinend die Spiegelredakteure und sie müssen nicht mehr selber auf die Strasse gehen. Waren sie doch immer so stolz darauf, dass die Anderen eben keine Zeit der Aufklärung hatten, es keine Säkularisierung gab. Dies hindert sie aber dennoch nicht daran, von dem „Bösen“ zu sprechen. Ist dies ja auch der beste Weg, um nicht mit anders denkenden in Diskussion gehen zu müssen.
Und die folgsamen „Deutschen“ finden sich auch an derselben Stelle wieder, wie vor über 60 Jahren: „Ich bin froh, dass es damals Alliierte gab, sonst würden wir heute noch in einem Nazistaat leben!“ Ja das stimmt bestimmt: Hätte – wäre – wenn …
Und glauben, kann ich ihnen nicht. Wer sich wirklich für Frieden ausspricht, wer wirklich gegen totalitäre Systeme ist, zieht nicht in den Krieg. Nicht dass mich jemand falsch versteht; ich bin schon dafür, sich zu wehren, wenn man angegriffen wird. Will ich jedoch Frieden, dann:
- Verkaufe ich keine Waffen, an niemanden!
- Ziehe keine wirtschaftlichen Vorteile aus dem Kriegsgeschehen in anderen Ländern!