Gegen Rechts - unbedingt
Das Holocaust Gedenken ist aktuell in aller Munde. Viel muss ja anscheinend nicht passieren, damit sich rechte Gemüter wieder ihrem Populismus widmen können. Diesmal war es, weil Steinmeier sich in Jerusalem nicht in deutsch, nicht in der "Tätersprache" geäußert hat. Ja, und nach rechter Gesinnung hat er alle Deutschen beleidigt. Widerlich!
Tatsächlich ist in unserem schönen Land das Gegenteil der Fall. Rechte dürfen Wahlplakate aufhängen, auf denen steht, "wir hängen nicht nur Plakate". Unsere Gerichte finden das nicht anstössig, nicht mal, obwohl dies in einem jüdischen Kontext geschrieben wird.
Die AfD Populisten dürfen offensive Sprache nutzen, deren Duktus an den des dritten Reiches erinnert, teilweise wortwörtlich. Ein paar dieser wundervollen Aussagen können alle gerne hier im O-Ton nachschlagen.
Selbstverständlich lasse auch ich mir mir nicht unterstellen, Mitschuld am Dritten Reich zu tragen; aber das tut doch auch keiner. Wir dürfen aber auch auf keinen Fall vergessen, wie es damals dazu gekommen ist und welche Ausmaße es angenommen hat. Deshalb verfolge ich "gerne" die aktuelle Berichterstattung, vor allem in Medien, die halbwegs seriös zu sein scheinen. Beispielsweise #deutschlandradiokultur.
Über eine Millionen Menschen wurden alleine in Auschwitz-Birkenau getötet; und das Wort "getötet" ist lange nicht angemessen. Immer noch, oder wieder?, gibt es hier Menschen, die dies leugnen. Was mag dies nur mit Opfern machen, die immer noch leben?
Muss ich mich als Deutscher dafür entschuldigen? Nein, ich muss mich für nichts entschuldigen, was ich nicht getan habe. Aber ein Mann wie Steinmeier, der das ganze Land und dessen Geschichte repräsentiert, hat hier ganz offensichtlich eine andere Verpflichtung als ich. Seien wir doch mal ehrlich: Wäre ich in dieser Zeit aufgewachsen - wie groß wäre die Wahrscheinlichkeit gewesen, dass ich entweder qua meiner Erziehung, oder qua meiner Überlebensangst ein Mittäter geworden wäre. Kann jeder von uns sich davon frei sprechen? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass gerade ich einer dieser seltenen Helden, wie z.B. Janusz Korczak, geworden wäre. (Jetzt mal ehrlich: wer kennt diesen Mann eigentlich noch?) Dies sollte uns alle zur Bescheidenheit mahnen.
Und dann haben wir auf der anderen Seite diese "Stammtischhelden". Sie lamentieren herum, dass wir Deutschen das Sozialamt der ganzen Welt seien, wir die einzigen sind, denen man verbietet, auf ihr Land stolz zu sein, wir uns keine Fahne in den Vorgarten hängen dürfen, wir nicht die Nationalhymne mitsingen dürfen. Jedes Weihnachten müssen diese armen Menschen sehr intensiv weinen, weil man ihnen verbietet, ihren Weihnachtsmarkt auch Weihnachtsmarkt zu nennen. Man verbietet ihren Kindern sogar, in der Kita Schweinefleisch zu essen. Sie wissen ja schließlich auch, dass diese Ausländer ihnen allen ihre Rente wegnehmen werden. Selbst mir kommen dabei schon ein paar Tränen.
Sagt einmal, GEHTS NOCH????
Dann gibt es da noch die gemäßigten AfD Wähler. Die wählen die AfD nicht, weil sie wollen, dass die an die Macht kommen, sondern weil die wollen, dass die AfD nur mehr Einfluss bekommt und "die da oben" einmal richtig aufmischt.
Und ich muss es nochmals sagen: GEHTS NOCH????
Habt ihr mal in deren Parteiprogramm geschaut?
Der „Schrumpfung unserer angestammten Bevölkerung“ muss laut AfD mit einer „nationalen Bevölkerungspolitik“ entgegengewirkt werden.
https://www.welt.de/politik/deutschland/article167573608/Das-ist-das-AfD-Wahlprogramm-im-Ueberblick.html
- Nur Mann, Frau und Kind sind Familie, nicht Mann Mann, Frau Frau
- Schuld am Finanznotstand sind die Flüchtlinge
- Gegen die Einführung einer Vermögenssteuer
- keine Aussagen zu Themen wie Kulturförderung, Jugendschutz oder Computerspielen
Ich mache euch Rechten keinen Vorwurf, dass ihr mit der Politik der letzten Jahre unzufrieden seid. Das bin ich auch. Aber ich mache euch einen Vorwurf, welche Konsequenzen ihr daraus zieht. All die Dinge, die ihr tun könntet, macht ihr nicht! Kleinere Parteienübel wählen, als die Rechten oder die AfD! Euch engagieren, indem ihr in Parteien eintretet, die demokratisch sind um entsprechende Mehrheiten an der Basis organisieren! Gegen die Reichtumsungleichheit kämpfen, anstatt denen die Schuld zu geben, die auch nur Opfer der Politik sind! Gegen die Waffenindustrie- und politik zu demonstrieren, die die Ursache dafür ist, dass Menschen zu uns flüchten müssen! Für eine Umweltpolitik zu kämpfen und zu demonstrieren, die ebenfalls Ursache für Flucht ist!
Aber es ist eben leichter mit den anderen zu grölen. Einen Schuldigen zu finden, der noch weniger zu sagen hat, als man selber. Einfache Ursachen zu erfinden, als sich der Komplexität der Welt zu stellen. Schnöde Parolen zu glauben, als sich Fachwissen anzueignen. Anderen die Schuld dafür zu geben, dass man es selber nicht auf die Kette bekommen hat.
Ganz toll:
PS: entschuldigt das Beitragsbild - aber dies scheint mir der richtige Kontext für Rechte Gesinnung zu sein: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Buchenwald-bei-Weimar-am-24-April-1945.jpg