Epistemologie für Fußgänger

Der erste Schluck aus dem Becher der Natur führt zum Atheismus, aber auf dem Grund wartet Gott. [Werner Heisenberg]

Zu denken, dass die Dinge so sind, wie ich sie wahrnehme, bezeichnete Paul Tholey als naiven Realismus.

Zu glauben, dass es eine allgemeingültige Wahrheit gibt, bezeichnete Ernst von Glasersfeld als die Wurzel allen Übels.

Warum wollen uns diese Wissenschaftler eigentlich das madig machen, was wir als gemeinsam geteilte Realität bezeichnen? Es würde doch keiner bestreiten dass der Tisch an dem ich dass hier gerade schreibe, für alle derselbe sein muss.

Es kann „kein System von Aussagen in sich selbst in dem Sinne geschlossen sein, dass es seine eigenen Axiome erklärt und sich nicht selbst widerspricht“. [Gödels Unvollständigkeitssatz]

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Coaching als Mittel zur Teamentwicklung!

Kann Coaching (Einzelcoaching) für im Sozialbereich Tätige hilfreich sein? Warum Coaching, wenn es mit dem Instrument der Supervision schon eine Form von Prozessbegleitung und Reflexion gibt? Hypothese: Für im Sozialwesen Beschäftigte kann es sinnvoll sein, sich regelmäßig caochen zu lassen! Für Geschäftsführer erhöht es die Qualität der Arbeit, dies zu bezahlen.

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NLP – Was ist dran? Was ist drin?

1979 wurde das Buch Neue Wege der Kurzzeittherapie (Frogs into princess) von Richard Bandler und John Grinder veröffentlicht. Der Untertitel lautete in der deutschen Ausgabe „neurolinguistische Programme“. Selten wurde eine Methode so kontrovers diskutiert wie das NLP. Seit dem ist eine große Szene um diese 3 Buchstaben herum entstanden. Damit zogen auch die Marktschreier der Psychologie mit ihren markigen Sprüchen ein. Von den Einen himmlisch gelobt, von den Anderen verdammt. Doch was ist dran an diesen 3 Buchstaben? NLP! Wo liegt der Missbrauchsverdacht? Wo sind die Chancen? Und warum ist das Problem mit dem NLP vielleicht gar kein Problem des NLP im Besonderen? Darum geht es in diesem Artikel. Continue reading „NLP – Was ist dran? Was ist drin?“

Wo ist das Ich?

Gern hätte ich hier einen schönen Beitrag geschrieben. Aber das kann ich aus zwei Gründen nicht: Wenn es nach manchen Hirnforschern geht, haben wir gar kein Ich. Was uns zum zweiten Problem führt: Es gibt dann auch keine Ichs, die diesen Artikel hier lesen werden. Aber was gibt es dann, anstelle eines Ichs?

Zumindest ist da unser Gehirn, mit dessen hilfe ich schreibe, und andere Hirne lesen meine Worte. Nicht Ihr Ich, sondern Ihr Gehirn also! Oder wie wäre es mit dem Körper? Schließlich haben wir ja auch ein Bauchhirn. Nehmen wir das alles zusammen, dann haben und sind wir unser Körper. So, damit können wir vielleicht nicht mehr so viel falsch machen.

Ups, die systemischen Denkweisen sollten wir auch noch einbeziehen. Für die ist es gar nicht relevant, was da mit und in unserem Körper geschieht, sondern mehr, was zwischen verschiedenen Körpern passiert. Die Elemente eines Systems sind die Kommunikationen zwischen … den Menschen (Luhmann)? Wir haben also kein Ich und wir sind nicht unser Gehirn. Wir sind aber auch nicht die Kommunikation zwischen … Ach, was weiß ICH? Continue reading „Wo ist das Ich?“

hypnosystemische Charta

Im Rahmen eines unserer vielen Netzwerktreffen des hypnosystemischen Netzwerkes der sysTelios Klinik für Psychotherapie und psychosomatische Gesundheitsentwicklung in Siedelsbrunn, haben wir eine stichwortartige „Charta“ entwickelt. Für uns die grundlegenden Begriffe und Stichworte, die wir mit dem Hypnosystemischen Ansatz assoziieren. Ich habe aus diesen Wörtern einen Fließtext gemacht, der einen Teil meines hypnosystemischen Denkens wiederspiegelt.

Alternativ kann dieser Text auf http://charta.hypnosystemisches-netzwerk-rhein-ruhr.de nachgelesen werden. Continue reading „hypnosystemische Charta“

Über die Neutralität von Moderatoren, Supervisoren und Leitungen

Über ein systemisches Xingforum bin ich kürzlich auf folgenden Beitrag gestossen:

Die Landkarte der Veränderung

Unter anderem folgende Passage fesselte meine Aufmerksamkeit:

1. Der Moderator steht in einem neutralen Verhältnis zu allen Teammitgliedern.
2. Der Moderator taucht selbst in keiner Landkarte auf.
3. Der Moderator kann emphatisch auch auf heikle Themen eingehen.
4. Der Moderator kennt sich mit der Methode aus, hat Coaching-Erfahrung und hat im besten Fall Erfahrung mit dieser Thematik/Methode.

Besonders Punkt 2 hat es mir angetan. Warum sollte ein Moderator irgendeiner Methode auf keinen Fall auf solch einer Landkarte erscheinen? Immerhin ist er doch auf Zeit Teil dieses Teams, Teil dieser Landkarte. Continue reading „Über die Neutralität von Moderatoren, Supervisoren und Leitungen“

Metaphern der Veränderungsarbeit – Chancen und Gefahren

Ein Zeichen ist etwas, das für etwas anderes steht.“ [Alfred Schütz] Ausgehend von einem systemisch kybernetischen Wahrnehmungsmodell sind wir nicht in der Lage, Realität an sich wahrzunehmen. So wie es auch allgemeine Grundlage im NLP ist, verfügen wir über eine innere Repräsentation der äußeren Welt. Inwiefern diese innere Landkarte mit dieser äußeren Welt zusammenpasst, ist eine Frage der Viabilität. Wie der Matrose in einem U-Boot, schauen wir auf unser Echolot (unsere Landkarte) um uns durch das Meer unserer Welt zu navigieren. Der Matrose hat jedoch uns gegenüber den Vorteil: er scheint nicht dazu verleitet zu sein, sein Echolot mit der Realität zu verwechseln. „Die Landkarte ist nicht das Gebiet dass sie beschreibt!“ [Alfred Korzybski] Continue reading „Metaphern der Veränderungsarbeit – Chancen und Gefahren“

Spiegel-Online und Bert Hellinger

Heute erschien auf Spiegel Online ein Artikel über die Familienaufstellungen Bert Hellingers.

http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/familienaufstellung-psychologen-streiten-um-umstrittenes-verfahren-a-995917.html

Abgesehen davon, dass ich das Wirken Hellingers extrem skeptisch betrachte, ganz im Gegensatz zu den systemischen Aufstellungsarten ala von Kibed / Sparrer, offenbaren solche plakativen Artikel stets „lustige“ Vorannahmen der Autoren ebensolcher. Einige interessante Formulierungen möchte ich hier gerne aufgreifen:

Psychische Krankheiten können demnach mit gestörten Beziehungsmustern des Systems Familie einhergehen.

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Lebst Du schon, oder nimmst Du noch ab?

Heidi Klum sagte einmal sehr schön, dass das Halten des Wunschgewichts, eine Sache der „richtigen Einstellung“ sei. Heißt das, man hat eine solche richtige Einstellung, oder eben nicht?

Prinzipiell ist diese These auch richtig! Aber: Wie gelangt man denn zu solch einer richtigen Einstellung?

Die meisten Menschen wissen, was sie essen oder nicht essen sollten. Die meisten Menschen wissen auch, wie viel sie von etwas essen sollten. Wenn sich jemand anders als „richtig“ verhält, scheint es also nicht übermäßig an fehlendem Fachwissen zu liegen. Trotzdem ist obige These genauso so richtig wie sinnlos, denn alles ist doch irgendwie eine Sache des Kopfes.

Beim leidigen Thema des Abnehmens spielen vor allem auch Gewohnheitsmuster eine wesentliche Rolle. Wie sagte ein Freund von mir so schön: „Gewohnheiten bedürfen Gewöhnung!“ Continue reading „Lebst Du schon, oder nimmst Du noch ab?“

Überlegungen zu Körper und Geist

Immer wieder fällt der Name René Descartes, wenn man über die Spaltung von Körper und Geist diskutiert. Er war es angeblich, der für diese Spaltung, welche so tief in unseren Glaubenssystemen verwurzelt ist, verantwortlich zeichnet. Ich befürchte, auch ich werde die Paradoxien zu und das Verständnis von Körper und Geist nicht auflösen oder klären können, möchte aber einige Gedankengänge und Konsequenzen dazu aufzeigen.

Zunächst zwei mögliche entgegengesetzte Auffassungen als Ausgangspunkte der folgenden Ideen:

  1. Materialismus: Geist ist ausschließlich die Konsequenz neurophysiologischer Aktivitäten
  2. Metaphysik: Geist ist etwas ganz Eigenständiges, wenn auch nicht ganz unabhängig von körperlichen Aktivitäten  Continue reading „Überlegungen zu Körper und Geist“