Ein Zeichen ist etwas, das für etwas anderes steht.“ [Alfred Schütz] Ausgehend von einem systemisch kybernetischen Wahrnehmungsmodell sind wir nicht in der Lage, Realität an sich wahrzunehmen. So wie es auch allgemeine Grundlage im NLP ist, verfügen wir über eine innere Repräsentation der äußeren Welt. Inwiefern diese innere Landkarte mit dieser äußeren Welt zusammenpasst, ist eine Frage der Viabilität. Wie der Matrose in einem U-Boot, schauen wir auf unser Echolot (unsere Landkarte) um uns durch das Meer unserer Welt zu navigieren. Der Matrose hat jedoch uns gegenüber den Vorteil: er scheint nicht dazu verleitet zu sein, sein Echolot mit der Realität zu verwechseln. „Die Landkarte ist nicht das Gebiet dass sie beschreibt!“ [Alfred Korzybski]

Die Elemente unserer Landkarte, die a) in unterschiedlichen Beziehungen zu einander stehen und b) in kybernetischen Rückkoppelungsschleifen mit der Umwelt interagieren, verändern sich stets und modifizieren sich aufgrund des mehr oder weniger harten „Anstoßens“ mit der Umwelt. In einem optimalen Fall entsteht so etwas wie eine Limesfunktion. (Eine mathematische Funktion, die sich zwar einer Lösung annähert, diese jedoch mathematisch erst in der Unendlichkeit trifft – also gar nicht.)

Diese Elemente können durch den Begriff der Metapher ganz gut beschrieben werden. Eine Metapher zeichnet sich durch eine immense Nützlichkeit aus. Überlegen Sie doch einfach, wie häufig Sie sich durch Metaphern ausdrücken, und wie sehr eine Metapher es erleichtert, einen bestimmten Zusammenhang klar zu machen. Wir können eine solche Landkarte also auch als Set von gewohnheitsmäßigen Metaphern beschreiben. Und Metaphern passen manchmal sehr, und manchmal weniger gut.

Prinzipiell ist alles das, für das wir gemeinhin den Begriff „etwas wahrnehmen“ verwenden, eine Metapher. Manchmal funktioniert es auch sehr gut, etwas „für wahr“ zu nehmen, es für wahr zu halten, aber manchmal ist es auch fatal, eine solche Wahrnehmung, eine solche Metapher mit der Realität zu verwechseln, bzw. wortwörtlich zu verstehen.

In der Veränderungsarbeit werden viele unterschiedliche Metaphern benutzt. Metaphern stellen hierbei den Fachwortschatz dar, mit dem die unterschiedlichen Disziplinen ihre grundsätzliche Zugehörigkeit markieren. So kann man in der Regel an der benutzten Metapher leicht erkennen, welche Fachrichtung von einem Menschen vertreten wird. Ist es ein Freudianer, ein Verhaltenstherapeut, ein NLPler, ein Systemiker, ein Körpertherapeut, oder oder oder.

Die Begriffe“ Methode“ und „Werkzeug“ sind ebenfalls gern benutzte Metaphern. Vor allem in den NLPnahen Konzepten hört man diese Worte häufig. Da macht dann einer einen weiteren Workshop, um seinen Werkzeugkoffer zu füllen. Eine sogenannte Technik verbindet dann das Werkzeug mit der Methode, und ich weiß dann, wie ich dieses einsetzen kann. Solche Worte können wirklich sehr praktisch sein, um einen Klienten möglicherweise transparent zu erläutern, wie ich beabsichtige ihn bei seiner Zielerreichung zu unterstützen. Aber sie implizieren leider auch, dass es außerhalb von mir, vom Klienten, unserer Beziehung, etwas (Objektives) gäbe. Dies wurde schon im sogenannten Metamodell der Sprache unter dem Namen der Verdinglichung, oder Nominalisierung beschrieben. Darüber hinaus besteht die weitere Gefahr, einem Irrtum zu verfallen, dem übrigens das gesamte NLP aufgesessen ist: Techniklastigkeit – „denn wer nur einen Hammer zur Verfügung hat, sieht überall Nägel“. Dem NLP würde es sehr gut tun, einmal das Metamodell auf sich selber anzuwenden, aber das mag ein anderes Thema sein.

Der Begriff der Energie ist eine ebensolche schöne Metapher. Menschen können Energielos sein, können Energie unökonomisch einsetzen, können auch ein zuviel an Energie haben. Dieser Begriff kann hilfreich sein, um eine Brücke zwischen westlicher Medizin und Traditioneller Chinesischer Medizin herzustellen. Sigmund Freud selber übernahm den Begriff der Energie in seiner Psychoanalyse, um naturwissenschaftlichen Kriterien zu entsprechen. Da kann dann Energie beispielsweise an falschen Vorstellungen gebunden sein. Mit Energie kann fast jeder Mensch etwas anfangen, weil er möglicherweise für sich ein Gefühl dafür entwickelt hat. So kann jemand, der sich häufig ermattet fühlt, nach einer angenehmen Entspannung, oder nach einem erfolgreichen Coaching feststellen, wie sehr er jetzt wieder mehr Energie zur Verfügung hat. Interessanterweise wurde ich mal in einem Internetforum darauf aufmerksam gemacht, dass für Menschen, die Angst vor einer globalen Energiekrise haben, dies möglicherweise eine eher ungünstige Metapher sei.

Selbst die Wissenschaften, bei denen wir es am wenigsten vermuten, bedienen sich blumiger Metapher, um ihre Sicht der Realität zu beschreiben. In der Atomphysik zum Beispiel, schießt man kleine „Teilchen“ mit hoher Geschwindigkeit aufeinander. Dies hat dann zur Folge, dass die Physiker bunte Kurven und Blitze auf Bildschirmen sehen können. Daraus bilden sie sich Metaphern davon, dass Elektronen Kugeln oder Wolken sein müssen; dass es Quantenschaum gäbe, sowie „Tellen und Weilchen“ (Harald Lesch). Das passt ganz gut zu dem, was von Foerster einmal sagte, dass wenn immer die Physiker eine Lücke in ihrer Theorie haben, sie ein Teilchen erfinden, welches genau dort rein passt.

Unser Verdauungssystem wurde auch gern als Metapher für psychische Prozesse genutzt. Also, nicht dass da etwas als Scheisse bezeichnet wurde, bzw das auch, was hier aber nicht gemeint sei. Aber psychische Verarbeitungsprozesse, können den Verdauungsprozessen analog betrachtet werden. Wir können dann viel zu viel gegessen haben und unser Magen hat Schwierigkeiten, dies alles zu verdauen und sich effektiv diejenigen Aspekte heraus zu filtrieren, die er benötigt. Durchfall oder Verstopfung, sehr häufig gar nicht so bedenklich und zwischendurch auch einfach mal ganz normal, können aber auch lebensgefährlich werden. Wie solche Probleme dann entstehen ist sehr schön in einer Binsenweisheit aus dem Zen dargestellt: als der Zen-Meister gefragt wurde, was denn der Unterschied zwischen ihm und westlichen Menschen sei, antwortete er, dass wenn er esse, er isst, und wenn er arbeite, dann arbeite er, und wenn er schlafe, dann würde er auch schlafen. Wir westlichen Menschen würden während wir schlafen, schon bei der Arbeit sein, und wenn wir arbeiten, wären wir schon beim Essen, und wenn wir essen, schlafen wir schon.

Geisterhafte Fremdbesetzungen können interessante Metaphern in der psychischen Veränderungsarbeit sein. Wenn ich dann mit Ideen und Verpflichtungen in mir konfrontiert bin, welche ich nicht für die Meinigen halte, sondern diese von jemand anderem übernommen habe. Wenn ich Loyalitäten meines Vaters oder Großvaters tradiere. Oft findet man solcherlei in aufstellungsbasierten Methoden. Dann kann man ab und an Abschlußrituale sehen, wo ich dankbar diejenigen Dinge meiner Vorgenerationen annehme, die ich auch gerne als die meinen hätte, und Aspekte, welche mir weniger lieb sind, oder von denen ich annehme, dass sie mich blockieren, dankbar ablehne.

Besonders lustig an dieser Metapher sind die Auswirkungen die es haben kann, wenn ich dabei wieder die Landkarte (Metapher) mit dem Gebiet verwechsele, welche diese abbilden soll. Es ist erstaunlich, wie schnell diese Menschen dann wieder in einer mittelalterlichen Welt leben, Jahrhunderte der Aufklärung ad absurdum führen und ich selber nur noch froh bin, dass ich nicht mit Schwertern und anderen Waffen konfrontiert bin, oder als ungläubiger gar verbrannt werde.

Dabei ist es komisch, in welchen Situationen wir mehr geneigt sind, Metaphern wortwörtlich zu nehmen und wann nicht. Wenn Peer Steinbrück davon spricht, dass Frau Merkel ihre Pläne für das Gesundheitswesen in kleinen hübschen Schächtelchen verpackt, lächelt noch selbst der Ungebildetste. Wenn Frau Merkel sagt, dass der Afghanistaneinsatz alternativlos sei, sagen die Menschen: „Ach wie blöd, dann müssen wir wohl dahin und andere tot schießen, so ein Pech.“

Sprache selber ist eine Metapher, ist eine Landkarte. Neurologisch scheinbar auf das allerengste mit den mentalen Landkartenfunktionen verknüpft, wenn nicht gar ein und dasselbe. Entwicklungspsychologisch war anfangs dies noch nicht so eng verknüpft gewesen, da wir als Babys über keine verbale Sprache verfügten. Wie ich Metaphern jeweils zu nehmen habe, ist wie in der Sprache, ein unglaublich komplexer Vorgang. Wahrscheinlich wird diese Komplexität niemals eindeutig aufgeschlüsselt werden können, auch wenn Hirnforscher und Linguisten möglicherweise anderer Meinung sind.

Wie Bateson schon darlegte, ist unser Bewusstsein zu begrenzt, um die komplexe systemische Natur der Dinge zu durchdringen – und führt dann die Metapher des „Heiligen“ ein (hier aber ganz anders verstanden, als wir diesen Begriff gemeinhin nutzen). Wie eine Metapher zu verstehen ist hängt von vielen Dingen (Beziehungen) ab, und unsere unbewussten Prozesse entscheiden diese unglaubliche Anzahl von Aspekten in Bruchteilen einer Sekunde: Von wem wird etwas gesagt, zu welchem Zeitpunkt, in welchem Kontext, mit welcher Betonung, mit welchem Bezug auf vorher Gesagtes, mit welchem Bezug auf das, was ich als nächstes sage, in welcher Sprache, mit welchen Gefühlen, unter welchen impliziten Vorannahmen, unter Bezug auf „wer mir noch zuhört“, und ob ich signifikanten Anderen gefallen will, Eindruck machen will, auffallen oder gerade nicht auffallen möchte, welche Bildung ich habe, welcher Kultur und Religion ich angehöre, ob ich mir etwas erhoffe, oder etwas vergeben möchte…. .

Mein Bewusstsein ist absolut zu begrenzt, um auch nur annähernd genug Beispiele zu geben, um dem Gerecht zu werden, was ich noch gerne ausdrücken wollte.

„Wo keine Worte ausreichen, da wäre jedes Wort zu viel.“ [Ludwig Wittgenstein]

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1 Kommentar

  1. Danke, ein wirklich toller Artikel, der auch kritisch hinterfragt und trotzdem Lücken aufzeigt.

    Die Artikel gefallen mit allesamt immer sehr gut!

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