Kässmann die Böse

Hurra, die Kriegstreiber sind wieder da – oder waren Sie nie weg?
Und sie fordern vehement, dass sich Deutschland viel mehr und vor allem heftiger am Kriegsgeschehen, z.B. im Irak beteiligt. Sie beschimpfen dabei diejenigen, die sich für einen Pazifismus aussprechen, hier Margot Käßmann in Person. Nebenbei, und dies passt beim Zusammenhang zwischen Kriegstreiberei und Kapitalismus ganz gut, beschimpfen sie „Linkes Denken“ und bedauern, dass ebendieses Denken „schon in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei“. Die Argumentation ist dabei so aufgebaut, dass jeder, der möglicherweise anders denkt, nicht nur unrecht hat, sondern sich auch als inhuman und menschenverachtend „outet“.Dabei sind Sprachgebrauch und Argumentationsstrategie durchaus mit den Sprachformen aus der Zeit 1930 – 1945 in Deutschland zu vergleichen. Alles natürlich nur schöner und professioneller ausgedrückt: man merkt gleich, dass die heutigen Kriegstreiber auf dem aktuellen Stand der rhetorischen Kommunikationswissenschaften sind. Ein Vergleich lohnt sich durchaus. Man muss jedoch bedenken, dass es auch Unterschiede gibt:
Damals wurden die Kriegsparolen noch von Gruppen militanter, breitschultriger, teils bewaffneter Menschen mit Armbinden direkt ins Volk getrichtert. Flugblätter mit indischen Symbolen darauf enthielten die Kriegstreiberthesen und die Farbe „Braun“ war zu dieser Zeit En Vouge.

Ähnlichkeiten in der Argumentation sind vor allem der undifferenzierte Gebrauch von religiösen Metaphern. Früher sollten heroische Gefühle durch den Gebrauch der altgermanischen Mystik erzeugt werden. Noch heute klingt Wagner in meinen Ohren nach. Auch heute finden Metaphern des „Bösen“ ihren Platz in der Dämonisierung der vermeintlichen Gegner. Es sind nun anscheinend die Spiegelredakteure und sie müssen nicht mehr selber auf die Strasse gehen. Waren sie doch immer so stolz darauf, dass die Anderen eben keine Zeit der Aufklärung hatten, es keine Säkularisierung gab. Dies hindert sie aber dennoch nicht daran, von dem „Bösen“ zu sprechen. Ist dies ja auch der beste Weg, um nicht mit anders denkenden in Diskussion gehen zu müssen.
Und die folgsamen „Deutschen“ finden sich auch an derselben Stelle wieder, wie vor über 60 Jahren: „Ich bin froh, dass es damals Alliierte gab, sonst würden wir heute noch in einem Nazistaat leben!“ Ja das stimmt bestimmt: Hätte – wäre – wenn …

Und glauben, kann ich ihnen nicht. Wer sich wirklich für Frieden ausspricht, wer wirklich gegen totalitäre Systeme ist, zieht nicht in den Krieg. Nicht dass mich jemand falsch versteht; ich bin schon dafür, sich zu wehren, wenn man angegriffen wird. Will ich jedoch Frieden, dann:

  • Verkaufe ich keine Waffen, an niemanden!
  • Ziehe keine wirtschaftlichen Vorteile aus dem Kriegsgeschehen in anderen Ländern!

Wenn ich einen Staat von dessen Diktator befreie, indem ich diesen töte, gehe ich erst wieder nach Hause, wenn ich dem Volk ein Stück Selbstbestimmung zurück gegeben habe!

Toleriere ich zuerst die andere Kultur, bevor ich mich arrogant über sie erhebe!

Stoppe meine Geheimdienste in deren Tun, ein anderes Volks im Sinne meiner wirtschaftlichen Interessen zu manipulieren!

Stelle Despoten vor ein Weltgericht, anstatt sie ohne Legitimierung ermorden zu lassen!

Spioniere nicht meine eigenen Leute aus!

Erkenne selber die Menschenrechte an, bevor ich dies von anderen verlange!

Schicke keine Drohnen, die nicht zwischen Militär und Zivilisten unterscheiden können!

Tue nicht dasselbe, was die Bösen tun mit der Argumentation, die seien ja schließlich böse – denn dann gibt es keinen Unterschied mehr zwischen mir und denen!

Woher haben eigentlich die Menschen im Irak ihre Waffen, egal jetzt ob die Bösen oder die Guten? Soweit ich informiert bin, verfügen diese gar nicht über die Infrastruktur und das Know How, gefährlicheres als Messer, Schwerter und Keulen herzustellen. Diese Waffen kommen wahrscheinlich aus Russland, Frankreich, USA, Deutschland und oder China! Super, oder? Erst geben wir denen die Möglichkeit sich halbwegs professionell selber zu bekriegen, um anschließend in einem Akt von Humanität selber mit unseren Panzern und Soldaten dort einzuziehen. Pispers spricht von „Systemanbietern“.
Wie sollte man diese Kriegstreiber denn eigentlich nennen, lieber Herr Fleischhauer?
Faschisten? Chauvinisten? Neoliberale? Gutmenschhasser? Bellizisten?

Und abschließend:
Ich habe keine Probleme damit, dass solchen Leuten in renommierten Boulevardblättern, solch Gedankengut aus der „hohlen Birne fallen“ darf. Im Unterschied zu diesen, versuche ich Demokrat zu bleiben. Deshalb sollten jene Beiträge auch geteilt, veröffentlicht und eine Diskussion darüber angeregt werden. Solche Diskussionen, und vor allem das Erkennen dieses mythologischen Gedankenguts, wären der richtige Schutz gegen das Naziregime gewesen – und nicht der Einsatz der Alliierten am Ende dieser wohl größten Katastrophe, die es gab.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fleischhauer-ueber-margot-kaessmann-und-ihren-pazifismus-a-985621.html

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