Dekohärenz

Was ist Dekohärenz und warum steht hier etwas über Quantenmechanik? Es scheint modern geworden zu sein, sich in seiner Theoriebildung auf sogenannte “harte” Wissenschaften wie die Physik zu berufen. Da findet man mittlerweile “Quantenpsychologie”, “Quantencoaching” und “Quantenheilung”. Mich ärgert dies zu einem gewissen Grade da, wenn man sich einmal näher mit der Quantentheorie, oder auch der Relativitätstheorie beschäftigt, es eigentlich unzulässig ist, solche Modelle einfach so auf andere Bereiche (Mikrokosmos/Makrokosmos) zu übertragen.

Die Quantentheorie oder auch Quantenmechanik ist eine mathematisch statistische Theorie, welche grundlegende Hypothesen bezüglich der kleinsten Materieteilchen beschreibt. Teilchen von einer Größe unterhalb des sogenannten Planckschen Wirkungsquantums (eins komma sechs eins sechs eins neun neun mal zehn hoch minus fünfunddreißig Meter). D.h. diese Theorie ist gar nicht so ohne weiteres auf unseren gemeinsam geteilten “Makrokosmos” zu übertragen.

In dieser super kleinen “Welt” scheinen so ganz andere Gesetze zu herrschen, als wir annehmen. Da können “Teilchen” (oder Lücken*) nicht mehr mit ihrer Position und Geschwindigkeit genau bestimmt werden, u.a. da eine erforderliche Messung wiederum Ort und Geschwindigkeit verändern würde. Deshalb können nur statistische Möglichkeitsaussagen getroffen werden. Jedoch kann man mit diesen statistischen Berechnungen extrem genaue Vorhersagen treffen.
Sehr leger ausgedrückt ist diese Welt der kleinsten Teilchen eine Möglichkeitswelt. Der Punkt, an dem aus diesen Möglichkeiten konkrete materielle “Realitäten” für uns werden, nennt Wolfgang Pauli, auf den diese Idee zurück geht,

Dekohärenz.

Diese Theorie kann man jedoch sehr schön als Metapher für Veränderungsarbeit nutzen. Jeder Mensch verfügt über grundsätzlich alle Ressourcen, welche er für die Erreichung seiner Ziele benötigt. Und hierbei gibt es eine schöne “Schnittmenge” zu den systemischeren Theorien. Denn Dekohärenz findet anscheinend dann statt, wenn ein “Quantensystem” als ein „Möglichkeitensystem“ mit der Umwelt wechselwirkt. Wenn ich das Teilchen messe (beobachte)! Denn messen ist Wechselwirkung. Ein Beobachter verändert durch den Akt der Beobachtung bereits das, was er da beobachtet (Kybernetik 2. Ordnung).

Dekohärenz ist also der entscheidende Prozess dafür, aus Möglichkeiten spezifische “Eigenschaften” im Rahmen eines bestimmten Kontextes (Umwelt) zu erschaffen. Z.B. Wahrscheinlichkeiten für gewünschtes Erleben zu erhöhen. Diese Ansicht geht meines Erachtens mit vielen grundlegenden Theorien der Veränderung menschlichen Verhaltens konform.

(* Heinz von Foerster definiert Teilchen als Lücken in der zugrundegelegten Theorie.)

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